Trauma und Ehre
«Minna von Barnhelm» ist gleichsam eine knappe (einen Tag währende) psychoanalytische Kur, die das sächsische Edelfräulein am widerstrebenden Major Tellheim praktiziert: Was hat es denn mit dessen Kriegs-Traumatisierungen wirklich auf sich, wie sehr ist er «verkrüppelt», ein «Bettler», «unglücklich», und ist es denn wahr, dass «ein Unglücklicher gar nichts lieben muss»? Das Fräulein schlägt sich, assistiert von der munteren Sprechstundenhilfe Franziska, in der selbstgewählten Rolle gar nicht schlecht, nur findet sie am Ende so viel Gefallen daran, dass sie ihre Bemühunge
n doch ein wenig übertreibt …
Man hätte sich ohne weiteres vorstellen können, dass Karin Neuhäuser in ihrer Mülheimer Inszenierung aus purem Spaß an komödiantischen Volten und Finessen und dank eines spiellaunigen Ensembles den Aspekt des Therapeutischen am klassischen deutschen Lustspiel tiefer auslotet – wenngleich Gralf-Edzard Habbens Bühne kein freudianisches Labor, sondern eine Art Kostüm- und Requisitenfundus zeigt, dessen Mitarbeiter einem Spielzwang zu folgen scheinen: Aus den Pappkartons, die der mitspielende Requisiteur herbeischleppt, holen sie die gelben Reclamheftchen hervor, die sie zum Aufführen der ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Mülheim, Seite 50
von Martin Krumbholz
Gibt es eine Erklärung für den Gelegenheitsmord der netten, klugen 17-Jährigen Stephanie und Cat an ihrem Kumpel Stephen? Wahrscheinlich schon. Vielleicht aber auch nicht. Tot ist er trotzdem. – Simon Stephens’ «Morning» im Jungen Theater Basel ist ein beiläufiges Stück, das man nicht übersehen sollte.
Wie geht es weiter am Frankfurter Mousonturm? Martine Dennewald...
Wolfram Lotz will das Unmögliche: Er will nicht sterben, er will aufgehoben sein in der Welt, er will die Welt mit der Sprache erfassen. Weil er das alles will, will er auch ein unmögliches Theater. Lotz' Strategie der formalen Überforderung des Theaters ist die Konsequenz seiner inhaltlichen Überforderung, nicht umgekehrt. Die formale Überforderung kommt daher als...
Am Schauspiel Köln hat es die schöne Helena in die Untiefen der TV-Unterhaltung verschlagen. Es läuft beinharter Nachmittagstalk, Thema: «Ich Opfer». Der Zankapfel des Trojanischen Krieges – Helena war Paris ja mehr oder weniger freiwillig, aber definitiv ehebrechend nach Troja gefolgt, was ihren Gatten Menelaos zum Feldzug veranlasste – treibt die ortsansässigen...
