Wasser bis zum Hals
Irgendwo in der vorpommerschen Tiefebene. Sie ist Biologie-Lehrerin in einer Schule, der allmählich die Schüler ausgehen. Die eigene Tochter hat sich in Richtung amerikanische Westküste davongemacht, der Gatte züchtet Strauße, in der Schule aber hält Inge Lohmann die Zügel immer noch fest im Griff. Es ist schon erstaunlich, wie konsequent die gelernte Darwinistin vor sich hin monologisiert und jedes menschliche Wesen analysiert, als werde eine Fruchtfliege seziert. Letztes Jahr landete Judith Schalanskys Roman «Der Hals der Giraffe» auf der Longlist des deutschen Buchpreises.
Würde er auch auf der Bühne des Schauspiels Frankfurt punktlanden, wo man sich entschlossen hatte, den «Bildungsroman» zu dramatisieren?
Im Roman sind sie nur Objekte des Lohmann-Blickes: die junge Kollegin etwa, diese dumme Laissez-faire-Lehrerin, oder die einzig interessante Schülerin, die Erika, zu der die Biologie-Lehrerin sich hingezogen fühlt. Mit solchen Figuren ließe sich der Monolog der Lohmännin beleben, Regisseur Florian Fiedler aber findet eine im ersten Moment so einfache wie überzeugende andere Lösung. Er hat den Text zusammen mit der Dramaturgin Anita Augustin stark gekürzt, dezent neu ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Frankfurt Schauspiel, Seite 47
von Jürgen Berger
«Minna von Barnhelm» ist gleichsam eine knappe (einen Tag währende) psychoanalytische Kur, die das sächsische Edelfräulein am widerstrebenden Major Tellheim praktiziert: Was hat es denn mit dessen Kriegs-Traumatisierungen wirklich auf sich, wie sehr ist er «verkrüppelt», ein «Bettler», «unglücklich», und ist es denn wahr, dass «ein Unglücklicher gar nichts lieben...
Sieben tapfere Kritikerlein haben wieder einmal Wind und Wetter, der Bundesbahn
und manchem Stau getrotzt, um pünktlich für das 50. Theatertreffen (Jubiläum – Traraa, Traraaaa!) die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen des Bemessungszeitraums (Februar 2012 bis Januar ’13) zu küren. Die zehn Unwiderstehlichen, in alphabetischer Reihenfolge:
«Disabled Theater» von...
Es beginnt mit einem Hochgeschwindigkeitsmonolog aus bunt, aber nicht absichtslos zusammengewürfelten Gedankensplittern, aufgelesen wohl bei einem Bummel durchs Münchner Museumsviertel, Namedropping à la Katalog oder was einem kunstinteressierten Auftragsautor beim Spazierengehen durch die fremde Gaststadt eben so ins Auge fällt. Da ist Cy Twomblys grandioser...
