Theatertreffen: Imposante Spannweite
Wer glaubt, es sei die reinste Freude, den sogenannten zehn «bemerkenswertesten Inszenierungen» Goldmedaillen umzuhängen und Blumensträuße in den Arm zu drücken, täuscht sich. Denn für fast jede, die man aufs Treppchen bittet, muss eine andere verstoßen werden. Und das macht keinen Spaß. Dieses Jahr besonders wenig, denn kein Mitglied der im Regelfall gespaltenen Jury (deren Mitglied ich in diesem Jahr bin) kam drum herum, Darlings zu killen und in saure Äpfel zu beißen.
Fast könnte man darüber aus dem Blick verlieren, dass die Zehnerauswahl gleichwohl eine imposante ästhetische Spannweite und getreue Spiegelung der immer noch patriarchalen, aber doch zunehmend diversen Theaterlandschaftsverhältnisse aufweist von sagen wir Frank Castorfs monumentalem «Faust»-Schauspiel, der gleichermaßen die Summe von 25 Volksbühnenjahren wie von knapp 250 Jahren Vernunftherrschaft und Kolonialismus zieht, auf der einen Seite bis hin zu Anta Helena Reckes smarter Konzeptkunst-Kopie von Anna-Sophie Mahlers Inszenierung «Mittelreich» mit einer Besetzung of Color an den Münchner Kammerspielen auf der anderen Seite.
Dazwischen passen auch einige scheinbar Altbekannte wie Jan Bosse (oder doch eher ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Eva Behrendt
Aufführungen
(von Frauen)
Wenn wir uns nicht verzählt haben, sind von den 215 nicht in Kollektiven erarbeiteten
Inszenierungen dieses Monats 68 von Frauen. Darauf wollen sich diese Hinweise ausnahmsweise konzentrieren, mit dem schönen Nebeneffekt, dass deutlich mehr kleinere Häuser vorkommen. Denn an den großen Bühnen der ganz großen Häuser können wir nur aufs...
Im Anfang war das Wort. Und das Bild. Und sonst auch noch vieles. In Stuttgarter Schauspielhaus hat Kay Voges, hauptberuflich Intendant des Dortmunder Schauspiels, zur Messe geladen. Mit Weihrauchduft lotst er die Besucher in die heiligen Hallen des Theaters, an dessen Decke und Seitenwänden im Zuschauerraum viele kleine rote Lämpchen leuchten. Schummrige Stimmung,...
Warum sollen wir ausgerechnet jetzt über historische Verantwortung sprechen, da Russland einen Teil der Ukraine überfallen und besetzt hat, da die Brexit-Verhandlungen begonnen haben, da überall in Europa Wahlen stattfinden, bei denen die Populisten nach der Macht streben, da die Verfassungsordnung der Vereinigten Staaten von innen bedroht ist?», fragte der...
