Zürich: Der Schlaf der Selbstgerechten
Die Dienstmagd Darja (Vera Flück) beugt die feisten Hüften und feudelt den Boden, als hätte die russische Revolution nie stattgefunden. Hat sie aber. Sie ist nur nie bis in den Salon von Professor Filipp Filippowitsch im Zürcher Schauspielhaus vorgedrungen. Eisern verteidigt dieser Pionier der Transplantationsmedizin sein Siebenzimmerdomizil gegen alle Enteignungsavancen des bolschewistischen Hausverwalterduos (Klaus Brömmelmeier, Sophie Bock), wenn nötig mit einem Anruf bei seinem Privatpatienten Josef Wissarionowitsch, den linientreuere Funktionäre als Genossen Stalin kennen.
Die Machtverhältnisse sind also eindeutig in Michail Bulgakows Sowjetsatire «Hundeherz». Allerdings sind sie so, dass der Roman von 1925 über Jahrzehnte den Makel angeblich konterrevolutionärer Gesinnung trug und auf Russisch offiziell erst 1987 erscheinen durfte. Sein öffentlicher Einfluss wurde Bulgakow in den 1930er Jahren weitgehend entzogen; immerhin entging er dem Schlimmsten – dank einer gewissen Nähe zu Genosse Stalin.
Der lettische Theatermacher Alvis Hermanis übernimmt für das Zürcher «Hundeherz» fast
alles selbst, Textfassung, Bühne und Regie. Wie gut, dass er auch ein paar sehenswerte ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Stephan Reuter
In einer charmant abgerockten Fabrikhalle in der szenigsten Gegend von Minsk sitzt ein nackter, rot bemalter Endvierziger und verspeist in hoher Frequenz gebratene Hühnerschenkel. Falls er den kleinen Geflügelberg, der sich da auf dem Tisch vor ihm auftürmt, tatsächlich aufessen wollte, hätte er ziemlich Menschenunmögliches vor.
Um eine Mission impossible scheint...
Aachen, Grenzlandtheater
14. nach Rostand, Cyrano de Bergerac
R. Ulrich Wiggers
Aachen, Theater
16. nach Fassbinder, Die bitteren Tränen der Petra von Kant
R. Martin Schulze
22. Dlé, Android ergo sum (U)
R. Florian Hertweck
24. Schiller, Die Räuber
R. Ewa Teilmans
Augsburg, Theater
10. Ripberger, 1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße...
black snow falls
aus den notizen einer anonymen klimaforscherin
(spätes zwanzigstes jahrhundert)
zur besetzung freigegeben sind
ein singender Kondukteur
zwei chinesische Wanderarbeiter
eine handvoll Passagiere
Marianne Sonja Doris Fred Martin
und ein
ausgebrannter Chor im ewigen ice der
Spätmoderne
den man
so die empfehlung des verfassers
durchweg als kinderchor
besetzen...
