Bamberg: Alles muss rein

Bettina Erasmy «Brand» (U)

Theater heute - Logo

Das Programmheft mal wieder! Da wird, bevor es überhaupt um den Inhalt des neuen Stücks «Brand» von Bettina Erasmy geht, ausschweifend über «Epigenetiker» referiert, die untersuchen, «inwieweit sich ein Nebenstrang der DNA tatsächlich durch traumatische Erlebnisse verändert», und über Psychologen, die danach fragen, «welche Konsequenzen diese Erkenntnis für den Weg zu einem glücklichen Leben hätte».

Von Traumata der Vergangenheit ist die Rede, welche in der Frage gipfelt, ob sich die DNA «wieder umschreiben» lässt, «hin zu einer offeneren Zukunft?»

«Brand» ist mit und ohne psychotraumatische Unterfütterung ein eher leichtes bis seichtes Stück Familienaufstellung, in dem sich die Charaktere mit allzu offensichtlichen Eigen- und
Unarten hart voneinander abgrenzen. Ein Gang durch die westdeutsche Geschichte, vom Trümmerhaufen zum trauten Heim, von Kriegslärm zu Verwandten-Fehden: Vater, Mutter, Kinder und Oma (Regine Vergeen, später mehr als nette Wiedergängerin, als schlechtes Gewissen, als putzige Mahnerin durch die Szenen geisternd) im Strudel des wirtschaftlichen Aufschwungs und der moralischen Orientierungslosigkeit, ausgestattet mit Macken, die sich so zwingend wie aufdringlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Graz: Das große Husten

Wenn im Theater gehustet wird, dann normalerweise im Zuschauerraum. Diesmal aber fängt die Vorstellung damit an, dass das in Anoraks und Daunenmäntel gehüllte Ensemble sich vor dem Vorhang aufreiht und so lange herzhaft um die Wette hustet, bis der – ebenfalls hustende – Doktor seine Patienten von der Bühne holt. So beginnt Alexander Eisenachs Inszenierung des...

Schreiben wie für ein Konzert

Hat man schon mal einen Dramatiker erlebt, der die Sprache einen «Horror» nennt und dabei mit Wittgenstein argumentiert, dem Logikfreak und Sprachphilosophen? Österreicher, meint der Österreicher Thomas Köck, würden der Sprache so fremd gegenüberstehen, dass sie ihr nur auf der Ebene des Horrors begegnen, sonst würden sie gleich gar nicht reden. Und das könne man...

Alles am Fluss

Schiffbar ist die Oker ja eher nicht. Ruder-, Paddel- und Tretboote – das ist das Maximum an Wasser-Kunst. Einen künstlichen Sandstrand gibt’s in einem früheren Fluss-Schwimmbad: die «Okercabana». Immerhin aber teilt sich das Flüsschen im Braunschweiger Bürgerpark und schließt von dort den Kern der alten Fürstenstadt ein wie eine Art Insel; der östliche Arm fließt...