Tiefenbohrung im Subjektiven
Seit Jahr und Tag stellt der Regisseur Sebastian Hartmann seinen Theaterabenden einen Ausspruch von Edgar Allan Poe voran: «All that we see or seem / Is but a dream within a dream.» Es ist ein anti-realistisches Motto und ein Signal, dass sich seine Theaterexpeditionen nicht aus handfester Alltagswirklichkeit herleiten, sondern aus dem Spiel der Subjektivität, aus Träumen und Gedankenbewegungen, aus dem Flackern des schöpferischen Ich.
Mit diesem Grundinteresse landet Hartmann folgerichtig bei den Werken der klassischen Moderne, für die Weltbeschreibung in erster Linie Untersuchung der Mittel ist, mit denen wir Welt aufschließen: Sinnen über Hirnströme, Sprachreflexion, Tiefenbohrungen in den Enzyklopädien des Wissen. Hartmanns Döblin-Variationen «Berlin Alexanderplatz» vorletzte Spielzeit am Deutschen Theater Berlin wiesen bereits in diese Richtung (TH 7/2016). Und nun ebenda der Sprachkunst-Monolith schlechthin: «Ulysses» von James Joyce, das Werk über die Wanderungen des Juden Leopold Bloom durch das Dublin des Jahres 1904 – und durch die Weiten der Kulturschatzkammern von Homers «Odyssee» über Shakespeare bis in den Zeitungsjournalismus seiner Gegenwart.
Aufstand der ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Christian Rakow
Aachen, Grenzlandtheater
14. nach Rostand, Cyrano de Bergerac
R. Ulrich Wiggers
Aachen, Theater
16. nach Fassbinder, Die bitteren Tränen der Petra von Kant
R. Martin Schulze
22. Dlé, Android ergo sum (U)
R. Florian Hertweck
24. Schiller, Die Räuber
R. Ewa Teilmans
Augsburg, Theater
10. Ripberger, 1968: Geschichte kann man schon machen, aber so wie jetzt ist’s halt scheiße...
Im Anfang war das Wort. Und das Bild. Und sonst auch noch vieles. In Stuttgarter Schauspielhaus hat Kay Voges, hauptberuflich Intendant des Dortmunder Schauspiels, zur Messe geladen. Mit Weihrauchduft lotst er die Besucher in die heiligen Hallen des Theaters, an dessen Decke und Seitenwänden im Zuschauerraum viele kleine rote Lämpchen leuchten. Schummrige Stimmung,...
Hat man schon mal einen Dramatiker erlebt, der die Sprache einen «Horror» nennt und dabei mit Wittgenstein argumentiert, dem Logikfreak und Sprachphilosophen? Österreicher, meint der Österreicher Thomas Köck, würden der Sprache so fremd gegenüberstehen, dass sie ihr nur auf der Ebene des Horrors begegnen, sonst würden sie gleich gar nicht reden. Und das könne man...
