Der Übergriff als Kunst und Wirklichkeit
Kennengelernt habe ich Volker Spengler vor 45 Jahren, Mitte der 70er Jahre in Frankfurt, und es war erst mal furchtbar. Wir trafen uns zufällig in einer Kneipe am Eschenheimer Tor, wo uns ein alter Freund, der Bühnenbildner Peter Schlösser, bekanntmachte. Volker hielt mich für schwul, wie er vermutlich alle männlichen Wesen für schwul hielt. Seine Übergriffigkeiten waren zumindest nach heutigen Maßstäben völlig unmöglich, ich war zehn Jahre jünger als er und passte offenbar in sein Beuteschema. Aber auch das ist schon Quatsch. Denn es passten ja alle.
Bei Volker herrschte strenge Gleichbehandlung! Ein erotischer Griff an den Hintern oder gleich in den Schritt war vollkommen selbstverständlich. Das Sich-Outen der Homosexuellen hatte damals gerade erst begonnen, der Paragraf 175 war noch nicht lange abgeschafft. Als katholisch erzogener Provinzknabe hatte ich zwar auch schon einiges erlebt, aber diesen unverblümten Aktionen von Volker stand ich doch einigermaßen hilflos gegenüber – zwischen Entrüstung, Lachen und den scheiternden Versuchen, irgendwie schlagfertig zu reagieren. Ich wollte auch nicht prüde sein und wurde jedesmal in eine Verwirrung gestürzt, die ich zu überspielen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer oder was ist schuld am Faschismus? Spontan fallen einem eine ganze Reihe möglicher Ursachen ein. Auf eine wäre man jedoch nicht so leicht gekommen: die verheerende Wirkung des Schlagers, die der Berliner-Ensemble-Dramaturg Bernd Stegemann mit Rückgriff auf Theodor W. Adorno ausmacht. In seinem Programmheftaufsatz zu Michael Thalheimers «Katzelmacher»-Adaption...
Dieser Film hat etwas Inzestuöses, und eine ganze Weile bleibt unklar, ob das jetzt eher lustig ist oder nervt. Die Schauspielerin Nina Hoss spielt die Theaterautorin Lisa, verheiratet mit einem Internatsdirektor in einem stinkreichen Schweizer Luftkurort und Mutter zweier Kinder. Sie leidet an einer Schreibblockade, seit ihr alleinstehender Zwillingsbruder Sven,...
Gewidmet meinem Onkel Bernhard.
Dank an Sibylle Baschung, Oliver Schmaering, Bobby Henzler und Marion Pfaus.
Der Fiskus
In einem baufälligen Finanzamt versucht das Team um Sachgebietsleiterin Nele Neuer seiner täglichen Arbeit nachzugehen
Die langjährige Finanzbeamtin Bea Mtinnen (55, gehobener Dienst) weiß so ziemlich alles über das komplizierte Steuerrecht,...
