Theater ist Mannschaft
Wann haben Sie sich zuletzt so richtig geärgert, und warum? Nichts leichter, als diese Frage zu beantworten, dachte ich zuerst, und dann wurde es doch schwer, da ich mich im Theater ständig ärgere. Gerade kam ich an ein Theater als Gast zurück, in dem ich länger fest gearbeitet habe, und ein ehemaliger Kollege sagte zu mir, dass er meine Wut in den Sitzungen vermisst hätte.
Ist Wut auch Ärger oder gebiert Ärger Wut und Zorn?
Zunächst mal ärgere ich mich oft über mich, über mein stets optimistisches Denken und die daraus resultierende ständige Enttäuschung auf der Makroebene. Das sind dann manchmal Nebensächlichkeiten, in der Regel geht es aber um die Struktur, um das Große und Ganze. Letztes nebensächliches Beispiel: Ich war Dramaturgin der letzten Inszenierung an einem großen Haus, dessen Intendanz wechseln wird. Ich bin davon ausgegangen, dass der Intendant anlässlich der Premiere ein paar Worte an das Ensemble richten, sich bedanken oder sich verabschieden oder das Haus einen Umtrunk organisieren wird – aber Fehlanzeige, es war nichts vorbereitet, man stand unwohl rum und ging alsbald nach Hause. Das ärgert mich richtig, obwohl es bestimmt nicht wichtig ist, aber mangelnde ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Ärgernisse, Seite 102
von Sabrina Zwach
Es ist ein ungewöhnliches Erbe, das das protegierte «Kind aus Seide» in Leonie Ziems gleichnamigem Stück antritt: Der jungen Frau werden eine Eisdiele und ein Sexroboter vermacht. Mithilfe jenes unverblümt sinnlichen automatischen «Milchmädchens» hält die frisch gebackene Eisverkäuferin fortan Laden und Liebesleben am Laufen, doch das Glück ihrer...
Die Ampel an der Kreuzung steht auf Rot. Ich texte in mein Smartphone: Und was, wenn die Geschichte mit einem Trigger beginnt?
Nein. Das geht auf gar keinen Fall. Meine Lektorin setzt zwei Ausrufezeichen dahinter, und ergänzt: Das triggert die Leute, die lesen dann nicht weiter.
Ich stehe am Abzweig zwischen Abwehr und Angriff. Am rechten Straßenrand stehen...
Meine Haare sind splissig, ich könnte rasen vor Wut. Beim Frisör in Altona lasse ich mir für 4,99€ einen Olaf-Scholz-Haarschnitt machen. Im Klatschmagazin lese ich, dass Olaf damals die von der UN-Menschenrechtskonvention als Folter deklarierte Brechmittelgabe in Hamburg durchgewunken hat. Rechtswidrig kotzende Leute sind daran gestorben. Er lächelt bodenständig...
