The Circle of Life

Jan Eichberg/Felix Rothenhäusler «Wasserwelt. Das Musical»

Theater heute - Logo

Seit jeher war das europäische Theater eine Ego-Show: Der Mensch hat sich mit sich selbst beschäftigt, Natur kam nur am Rande vor, als Gegenwelt, Bedrohung oder Seelenspiegel. Tragisches spielte sich – aristotelisch, aristokratisch – in Herrscherhäusern ab, tränenwürdig war nur der Sturz der Mäch tigen. Seit dem sozialen Realismus wird dieses Privileg auch den «Normalos» zugestanden, wir Aufgeklärten dürfen mit allen Menschen mit leiden, Horizonte haben sich erweitert.

Während wir aber noch immer versuchen, die Prägungen von Klassismus, Rassismus und Sexismus abzutragen, erschallt als neuer Ruf: Nieder mit dem Speziesismus! Menschen, die ihr Natur und Planeten zerstört, schaut auch auf Tiere und Pflanzen, auf andere Spezies und Arten!

Da stehen wir nun. Während Natur dokus dank neuer Technik und Drohnen immer eindrucksvoller werden und in der freien Theaterszene Waldspaziergänge choreografiert und Heuschrecken oder Oktopusse auf die Bühne geholt werden, bleibt das Ensemble-Theater so menschlich als wie zuvor. «Animal Farm», «Dschungelbuch», «Funklerwald» und Co. verlegen menschliche Konflikte einfach fabel-haft in eine Tierwelt. Außerdem sind Auftritte im Eisbärenkostüm beliebt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 147
von Stefan Bläske

Weitere Beiträge
Drei-Affen-Theater

Vielleicht liegt es an der Dichte der Theaterwände, die für Schallschutz sorgt. Dass Ereignisse von außen nicht hereindringen. Dass weder die Menschen darin noch die Institutionen als solche erreicht werden. Dass das zarte Zischen einer Kerze, zertreten von einem Stiefel, nicht gehört wird. (Aber natürlich nicht; zu weit weg, zu klein, zu schnell). Auch nicht das...

Elf plus eins

Dieser Bilderstrom ist eine permanente Überwältigung, ein irrer Sog, ein Labyrinth, in dem man sich verlieren kann. Dynamisch und in hohem Tempo ergießt er sich in der Romanadaption «RCE» am Berliner Ensemble auf Daniel Roskamps Bühnenkonstruktion. Wie mit Buntstift schraffierte Farbnetze auf schwarzem Grund zum Auftakt, sich in verschiedenen Graustufen...

Mit Kunst überrollen

Vor elf Jahren übernahm Karin Beier ein Theater, das am Boden lag. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das größte Sprechtheater des Landes, war von Friedrich Schirmer in die künstlerische Irrelevanz gesteuert worden, und nachdem Schirmer 2010 überraschend als Intendant zurückgetreten war, verwaltete eine kollektive Intendanz unter Leitung des Dramaturgen Florian...