Bitteres Land
Am 4. Juni dieses Jahres erließ US-Präsident Biden mit Blick auf die Grenze zu Mexiko per Dekret Einschränkungen des Asylrechts. Die Regelung einer willkürlich gesetzten erlaubten Höchstzahl von Migrant:innen ohne Papiere trat am Folgetag eine Minute nach Mitternacht in Kraft. Es ist Wahlkampf. Die «build-that-wall»-Sprechchöre der Anhänger:innen seines Vorgängers und neuerlichen Konkurrenten sind noch gut erinnerlich – das war 2016.
Fast zwei Jahre später, am Neujahrstag 2018, kurz nach Mitternacht – so beginnt Asiimwe Deborah Kawes Schauspiel – sitzt Achen, eine vierzigjährige Schwarze Frau, im Aufenthaltsraum einer US-amerikanischen Abschiebehaftanstalt. Sie ist eine der beiden Hauptfiguren in «Das Gelobte Land». Seit fünfzehn Jahren lebt Achen als Migrantin ohne Aufenthaltsstatus in den USA. «15 Jahre nichts und 15 Jahre alles», wie sie einem Journalisten, der über ihren Fall berichtet, beschreibt. Als Teilnehmerin eines Seminars über «HIV und reproduktive Gesundheit von Frauen in Subsahara-Afrika» an der Johns Hopkins University in Baltimore ist sie 2002 aus Uganda in die USA eingereist und hat die Staaten danach nicht mehr verlassen. Kat, eine junge weiße Amerikanerin aus ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 151
von Ewald Palmetshofer
Wien – heute – Zweitausenddreiundzwanzig. Arad Dabiris im Rahmen der Wiener Wortstätten entstandenes Stück kreist um einen konkreten Fall, der grundlegende Fragen aufwirft: Im Mittelpunkt steht ein junger Österreicher iranischer Abstammung, der – und das gehört zu den smarten Setzungen der Konzeption – auf der Bühne nicht selbst das Wort ergreifen kann. Denn er...
Die Leute, die man am ersten Tag in der Uni trifft, bleiben für immer deine Clique»: Bei Lars Werners neuestem Stück sind das Silvio, ein weißer deutscher Mann aus Frankfurt; Roya, eine deutsche Journalistin of Color; Marin, ein weißer Mann (möglicherweise aus Köln) und Lou, eine Gender-non-konforme Wissenschaftler:in und Ak -tivist:in aus Tschechien. Das erste Mal...
Wenn ich mit Kollegen aus der «Kunstblase» in verschiedenen Ländern darüber spreche, wie lange die Emanzipation der Ukrainer vom imperialen Einfluss Russlands dauert, treffe ich seltener auf Ablehnung oder Unverständnis als auf eine unaussprechliche Schwere und Trauer. Eine unsagbare geistige Trägheit. Heißt das, dass man alles neu lernen muss, das Brillenglas...
