Stuttgarter Betriebsausflug
Drei Mörder-Ratten lehnen an der Reling eines Vergnügungsdampfers, und sie werden ganze Arbeit leisten: Kein Angestellter und auch kein Chef verlässt lebend diese Betriebsfeier! Das Thema Arbeit musste auf dem Theater schon lange einmal konsequent zu Ende gedacht werden. Spätestens seit Horváth hängt der Verlust des Arbeitsplatzes als Damoklesschwert über gefährdeten Menschen. Arbeitsverlust, Geldverlust, Sinnverlust, Identitätsverlust – so klingen die tristen Akkorde der Nichtbeschäftigung, die alle zusammen oder nacheinander ins Elend führen.
Wie schön kann vor diesem Unglück ein bisschen entfremdete Arbeit sein, ein geregelter Tagesablauf mit Stempeluhr und fiesem Vorgesetzten, der inneren Halt, übersichtliche Feindbilder, Fluchtträume, Urlaubswünsche und ein tägliches Kommunikationsminimum garantiert!
Zum Hören und Schauen: Sibylle Berg liest im selbstproduzierten Home-Video aus ihrem Stück «Hauptsache Arbeit».
Dass Arbeit noch in ihrer erniedrigendsten Ausführung ein schützenswertes Gut ist, umreißt den Grundgedanken von «Hauptsache Arbeit!». Hier träumt niemand mehr von Selbstverwirklichung, Aufstiegschance oder Beförderungsgerechtigkeit. Hier geht es nur noch ums ...
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Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin. Deshalb lässt Frank Wedekind seine Lulu durch die Weltstädte Wien, Paris und London wirbeln. Wobei es überall um zunehmend fatalere Variationen desselben geht: Sex, Liebe, Lust – oder die Idee davon. Lulu, dieser Inbegriff des Begehrens, erzählt wenig über Frauen und viel über Männerfantasien. Jeder der Herren,...
Welch eine Verheißung: «Sie müssen das, was Sie lieben, nicht mehr selber machen. Hier geht es» – denn was ist Gefühlsproduktion schließlich anderes als harte Wertschöpfungsmaloche – «um Arbeitserleichterung!» An die Formulierung derart revolutionärer Utopien hat sich das Theater mindestens seit Brecht nicht mehr gewagt!
Im Ernst: René Polleschs «interpassive»...
