Stuttgart: Misslingen als Konzept
Selbstkritik ist noch immer ein rares Gut, obwohl sie so große Sympathien erzeugt. Sebastian Hartmann hat das erkannt und tut, was die Seehofers, Beckenbauers, Winterkorns und Petrys dieser Welt so krampfhaft vermeiden, bis sie niemand mehr mag: Er stellt öffentlich fest, dass er daneben lag. Im Programmheft zu seiner dritten Stuttgarter Inszenierung gibt er zerknirscht zu, dass seine beiden Vorgängerversuche am Ort leider kein Publikum fanden, weswegen er seine Herangehensweise wohl mal kritisch reflektieren sollte.
Dafür wählt Hartmann eine Komödie, die trotz ihrer Geburtsstunde im Zeitalter Bismarcks über alle gesellschaftlichen System- und Kulturwechsel hinweg als Garant für hysterisches Lachen gilt: «Der Raub der Sabinerinnen» von Paul und Franz von Schönthan, eine herrliche Klamotte über ein misslungenes Theaterstück und die Eitelkeiten des Provinzbürgertums, die immer wieder adaptiert und aufgeführt sowie zigmal verfilmt wurde.
Mehr kann man auf ein Publikum aus Schwaben, das mit sauertöpfischer Miene Hartmanns Kunstbehandlung von «Staub» (nach Sean O’Casey) und «Im Stein» (nach Clemens Meyer) über sich ergehen ließ, wohl nicht zugehen. Aber lässt sich ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Till Briegleb
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