Leipzig: Projekt Weltrettung
Endlich geht mal jemand die Sache mit der Weltrettung systematisch an. Beim «Grand Prix de la Vision» kann man ein Konzept zur grundlegenden Reform unseres Planeten einreichen, und in der gleichnamigen Show wird dann das beste prämiert. Carla, Anna, Scart und Halbgar lassen sich das nicht zweimal sagen und machen sich in Carlas altem Auto auf den Weg. Hinter sich ihre langweilig halbgescheiterten Leben aus versandeten Liebesversuchen, unglücklich rechtsnationalen Familienverhältnissen, nächtelangem Trollesuchen im Internet oder anderen Quellen des Lebensglücks.
Ihr großer Plan: Auf dem Weg zum Finale so circa zehn einflussreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Militär entführen und menschenfreundlich umerziehen. Letzteres könnte ziemlich schwierig werden, aber auch an Ersterem sind schon geschicktere Terroristen gescheitert. Erwartungsgemäß ziehen die fünf Amateurkidnapper – eine alte, verbeulte Drohne namens Emily ist auch dabei – aus ihrem Roadtrip von Pleite zu Pleite und widmen sich bald eher den kleinen Streits der innerbetrieblichen Gruppendynamik als dem großen Ganzen.
Bühnenbildner Hugo Gretler hat in der Diskothek des Leipziger ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Franz Wille
Lichtwechsel im Berliner Maxim Gorki Theater. Es folgt ein eher seltener ruhiger Moment in der lose montierten Monologfolge von Lola Arias’ «Atlas des Kommunismus». Ruth Reinecke blickt auf ein angefleddertes Textbuch in ihren Händen, sie blickt zu den Kollegen auf der Bühne, ins Publikum, dann nimmt sie innerlich Anlauf. Und los: Sie wisse, dass das sinnlos...
Wer hätte gedacht, dass Christoph Marthaler und sein Team mal so richtig bitterernst werden können? Aber beim Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer hört der Spaß auf: «Die Wehleider» im Hamburger Schauspielhaus.
Wie wird ein gut integrierter junger Deutschtürke der zweiten Generation zum fanatischen Islamisten? Dazu muss man nur Nuran David Calis’ «Kuffar. Die...
Nicht wirklich lustig, vier Tage nach der Schockstarre, in die die US-Wahlen geführt hatten, lustig sein zu wollen. Mit einem Stück, in dem es um einen Egoisten geht, der der Frau seines Freundes in den Schritt greift und alle Prinzipien lustvoll über Bord wirft, wenn es ihm nützt. Der Egoist heißt Johann Fatzer, ersonnen hat ihn Bertolt Brecht vor knapp 90...
