Strukturell tödlich

Mit «Die Befristeten» schickt Johan Simons kurz vor Spielzeitende ein Lebenszeichen in die Welt

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Ob sie das immer macht, wenn sie alleine ist? Oder ist es ein Spleen aus den langen einsamen Wochen des Lockdowns? Die Bühne im Bochumer Schauspielhaus hat sich verselbständigt. Minutenlang spielt sie ganz allein und in Perfektion: Schwere Bühnenzüge gleiten mit angeberischer Leichtigkeit auf und ab, for­mieren sich zu Rahmen, Treppen, endlosen schwarzen Ebenen, rätselhaften Industriestrukturen. Die Scheinwerfer spielen mit blendendem Licht, die Windmaschine schneidet Nebelschwaden, Laserstrahlen zeichnen Bilder in die Luft, dazu dräuen schwere Orgelklänge.

Ein Maschinenwunderwerk, das sich selbst genügt.

Diese Perfektion kann das neunköpfige, sektenhaft rot gekleidete Ensemble nicht erreichen, soll es auch nicht. Einerseits ist Johan Simons’ coronatrotzigem Saisonabschluss «Die Befristeten» die verkürzte Probenzeit und der Kampf mit den neuen Hygieneauflagen anzumerken. Andererseits passt das stellenweise planlos wirkenden Spiel gut zu einer Menschheit, die so hohl ist wie das System, in das sie der Dramatiker Elias Canetti 1952 gesetzt hat. Ihr Sein und Bewusstsein sind davon bestimmt, dass alle den Zeitpunkt ihres Todes kennen: Wer den Namen 88 trägt, wird 88 Jahre alt, wer 20 ...

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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Cornelia Fiedler

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