Stirb und werde
Einmal, da war der Abend noch nicht weit ins Feld geschritten, aber das Wummern war schon da, das Grollen der Großstadt, da trat Andreas Döhler als Franz Biberkopf zur Rampe und stanzte sich seinen Moment aus dieser metallenen Wirklichkeit, sein Bruchstück von «Berlin Alexanderplatz»: Wuchtig, urkräftig, wie hingerammt steht er da. Doch sein Blick verflüssigt sich, strömt hinaus. «Was guckt’n ihr so», raunzt er ins Publikum.
«Ihr», das sind die Menschen Berlins, die diesen entlassenen Häftling Biberkopf abschätzig mustern, und es sind die Menschen im Großen Haus des Deutschen Theaters, die zu Döhler aufschauen.
Stille. Leises Beben. Der große Mann wankt nicht, nur seine Augen fiebern, reißen den Spalt auf zu seiner Geschichte, erzählen von den Kränkungen, die waren und kommen werden, erzählen vom Aufbrausen des Biberkopf, das nie diejenigen trifft, die ihm eigentlich übel mitspielen. Sie künden von der Blindheit, vom Hoffen und Verzweifeln. Es ist ein Moment wie eine Offenbarung. Vielleicht dauert er nur eine Minute, aber er fühlt sich an wie ein ganzer Lebensabriss, dieser Augen-Blick des Franz Biberkopf, dieser Kairos des Andreas Döhler.
Alfred Döblins Romanklassiker «Berlin ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Christian Rakow
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