Spielerisch durch Wände gehen
Eine minimale Bewegung öffnet einen maximalen Spielraum. Doch manchmal braucht es dafür eine Schule des Schauens. Auf die feine Geste gelenkt, weitet sich der Blick, macht die Schranken im Kopf durchlässig und entlarvt so das ständige Messen an Normen als unproduktives Scheingefecht. Was für eine Befreiung! Allein die subtil vermittelte Erkenntnis, dass subjektives Körperempfinden naturgemäß nur konkret und nie «normal» sein kann.
So schlicht und begreifend bringen es Lucy Wilke und Paweł Dudus in ihrer zum diesjährigen Theatertreffen eingeladenen Performance «Scores that shaped our friendship» auf den Punkt. Die freie Produktion ist Anfang 2020 gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Lockdown mit einer Debutförderung im Bereich Tanz der Landeshauptstadt München im Spielort Schwere Reiter entstanden und wurde inzwischen auch an den Münchner Kammerspielen gezeigt, wo Wilke seit letztem Herbst Ensemblemitglied ist. Dabei ist die Einladung zum TT nicht die einzige Auszeichnung. Bereits im November wurde den beiden der Theaterpreis Der Faust in der Kategorie Darsteller/Darstellerin Tanz verliehen – mehr geht wirklich nicht in einer Saison. Damit gerechnet oder gar darauf hingearbeitet ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Akteure, Seite 4
von Silvia Stammen
Theatertreffen 2021 – muss das sein? Der Auswahlzeitraum umfasst großzügig gerechnet nur gut vier Monate – sechs Wochen vor dem ersten Lockdown, zehn Wochen vor dem zweiten –, viele der vorgeschlagenen Inszenierung konnten von der Jury nicht mehr nachgereist, sondern nur in qualitativ sehr unterschiedlichen Videoaufzeichnungen angesehen werden. Immerhin wurden...
Die Kinderliteratur unserer Tage steckt voller unvergesslicher Figuren: Grüffelo etwa, ein klobiges, warzennasiges Monster, das sich von einer winzigen Maus düpieren lässt. Oder die Olchies, diese fröhlichen Anbeter des Schmutzes und Verächter des Wassers, die auf ihrer Müllkippe einem Leben in Ekel frönen. Oder die dichtenden und abenteuernden Ratten Eliot und...
Nach einigen Gintersdorfer/Klaßen-Inszenierungen sind gewisse dramaturgische Moves der Truppe bereits vertraut: Ein politisch und künstlerisch verschränktes Thema wird ausgelegt, aus verschiedenen Perspektiven vom möglichst diversen Ensemble beleuchtet und vorangetrieben, bis irgendwann ein oder zwei Performer von der Elfenbeinküste das gut gemeinte, aber oft...
