Die Spiegeltiere
Es gibt kein Draußen mehr. Seit die Theater im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen schließen mussten, haben sich die halböffentlichen Bühnenräume verschlossen. Es wird zwar weiterhin geprobt und gearbeitet, aber die Bühnen sind keine Orte der Zusammenkunft und des Austauschs mehr.
Und die einzigen künstlerischen Produkte, die noch an die Öffentlichkeit kommen, bespielen nur eine virtuelle Öffentlichkeit: Die Theater füllen das Internet, Orte wie das Hamburger Thalia Theater oder der Hannoversche Ballhof sind zu Studios geworden, aus denen heraus gesendet wird, keine Orte der Teilhabe mehr.
Dass Peter Jordan und Leonhard Koppelmann «Shockheaded Peter» von Julian Crouch und Phelim McDermott inszenieren sollten, plante das Thalia Theater schon länger. Die Pandemie sorgte allerdings dafür, dass die «Junk Opera» zur Musik von Tiger-Lillies-Sänger Martyn Jacques zur Online-Premiere wurde, was auf den ersten Blick unpassend wirkt: Die Theatersprache von Jordan und Koppelmann setzt auf Überwältigung und auf direkte Publikumsreaktionen, auf Lacher, rhythmisches Klatschen und eine mitreißende Begeisterung, die den manchmal krachledernen Humor dieser Inszenierungen erträglich macht. «Shockheaded ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 48
von Falk Schreiber
Roxana Silbert, Intendantin des Londoner Hampstead Theatre, erinnert sich, wie schnell letzten März alles ging: «Ich hatte gerade meine erste Spielzeit als Intendantin am Hampstead Theatre hinter mir, als die Regierung riet, nicht mehr ins Theater zu gehen. Ich sah mir einen Durchlauf von Pinters ‹Der stumme Diener› an. Als ich aus dem Probenraum kam, hatte Boris...
In «Sanft und grausam», einer Adaption von Sophokles’ «Trachinierinnen», sagt eine Leibesvisiteurin mit Gummihandschuhen am Flughafen zu einer verzweifelten Frau: «Sie haben eine Waffe versteckt. Ich spüre sie neben ihrem Herzen.» Die Frau antwortet: «Ach, wirklich? Meinen Sie die Liebe?» Aber die Antwort ist: «Nicht Liebe, nein, ich rede von diesem Stachel.» –...
507 lautet die entscheidende Zahl. 507 Arbeitsstunden müssen die Freelance-Angestellten in Frankreichs Theater- und Filmbranche, die sogenannten «intermittent.e.s», aufweisen, um ihren Status beizubehalten und Anspruch auf staatliche Unterstützung zu haben. Das System der «intermittence» ist eine kulturpolitische Ausnahme in Frankreich. Die Künstler*innen sind...
