Rührende Abschiedsszenen
Nach der Premiere gab es Standing Ovations für Regisseur Gerhard Willert, und eine Schauspielerin brach beim Applaus in Tränen aus. Rührung oder Abschiedsschmerz? In Linz geht eine Ära zu Ende: Mit Intendant Rainer Mennicken verlässt mit Saisonschluss – nach 18 Jahren – auch Langzeitschauspieldirektor Willert das Haus, der schon unter Mennickens Vorgänger im Amt war.
Seine letzte Linzer Inszenierung war die Uraufführung eines Auftragswerks, in dem Christoph Nußbaumeder das Schicksal der nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei vertriebenen Sudetendeutschen in ein Familiendrama verpackt.
Viele Sudetendeutsche haben zeitlebens darunter gelitten, dass sie als Täter galten, sich aber als Opfer fühlten; oft stimmte beides. Mehr als 100.000 von ihnen sind im angrenzenden Österreich gelandet, darunter der damals zehnjährige Stefan Riedl (Stefan Matousch). Jetzt, anlässlich seines 80. Geburtstags, hat er seine Familie zu sich nach Oberösterreich eingeladen. Über seine sudetendeutschen Wurzeln hat er nie viel geredet, jetzt aber verblüfft er die Verwandtschaft mit einem überraschenden Plan: Er will zum Sterben heim nach Böhmen. «Ich bin ein Elefant, ich will zu meinem ...
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Theater heute Juli 2016
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Wolfgang Kralicek
Sieben Frauen singen. Ein Pianist darf begleiten. Und die Kunst dreht sich um sich selbst. Das ist Herbert Fritschs «Wer hat Angst vor Hugo Wolf?» am Schauspielhaus Zürich, der erste Liederabend des zurzeit radikal komischsten Universalgenies im deutschen Theater. Für diesmal begnügt sich Fritsch nicht – wie etwa in seiner Zürcher Musicalparodie auf den «Schwarzen...
Manche Hunde sind auch nur Menschen. Genauer gesagt: Sie sehen zwar aus wie Menschen, sind aber eigentlich Hunde. «Hundsch» heißt das merkwürdige Zwitterwesen, von dem man bisher nie etwas gehört hat. Und wenn die Menschen einmal einem von ihnen begegnen, dann halten sie ihn für schizophren und stecken ihn in die Psychiatrie. Einzig der Verein Canis Humanus hat das...
Die Hauptrolle hat der Vorhang. Genau genommen ist er eigentlich kein Vorhang, sondern eher ein riesiges wallendes Organ, das sich in kaum wahrnehmbarer Geschwindigkeit von hinten nach vorne und zurück bewegt, Menschen ausspuckt und sie wieder verschwinden lässt. Zum Beispiel diesen traurigen alten Mann. «Ich bin eine äußerst groteske Gestalt», sagt der irgendwann...
