Souverän zerknittert
Die besten Jahre sind vorbei, die Frau ist tot, die Rente ist da. Tony Webster hat Pech, der Historiker ist zu intelligent für die kleine Restexistenz in seinen bescheidenen vier Wänden, die er sich doch eigentlich wünscht. Er muss denken; er kann nicht anders, als sich zu erinnern.
Er macht das, wo sonst, bei sich zu Hause. Hier führt er zwischen Schreibtisch, Kochzeile, Waschbecken und Sessel für sich selbst sein eigenes Kopftheater auf.
Er arbeitet mit der Wand als Tafel und der ausgebrannten Glühbirne als Gegenüber, er imitiert Gesichter, Stimmen, Ticks, er baut sich Blickachsen und Gänge, um sich seine Geschichte zu erzählen, um die anderen Figuren auftreten zu lassen, wieder und wieder, so darf man vermuten. Wir wollen die Geschichte hier nicht wiederholen: Julian Barnes hat sie in seinem ebenso eleganten wie lebensklugen Roman «Vom Ende einer Geschichte» 2011 aufgeschrieben.
Letztendlich dreht sich das Leben von Tony Webster um Veronica. Sie ist eine Frau, mit der er zu Beginn des Studiums eine Liason, aber keinen Sex hatte, die ihn gedemütigt hat und die dann seinen Freund Adrian zum Manne nahm.
Es ist ein unerfülltes Leben, in falschen Voraussetzungen verstrickt, ein ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Chronik: Frankfurt/Main, Seite 66
von Peter Michalzik
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