Sinn & Bühne: Die Frage des Planeten
Der Schauspieler Ulrich Matthes registriert seit Längerem ein gewisses Unbehagen an der (Bühnen-)Kultur. «Viele Menschen können mit dem Theater nichts rechtes mehr anfangen», sagte er in seinem Eingangsstatement zum Symposium «Was soll das Theater?» in der Berliner Akademie der Künste, das er als Direktor der Sektion Darstellende Kunst aus besagtem Grund selbst angeregt hatte.
Fünf Stunden später; erstes persönliches Fazit der Veranstaltung (an der ich als Diskutantin und als Moderatorin jeweils einer Podiumsrunde gewissermaßen mitschuldig war): Die Unbehagensgründe sind – wer hätte es gedacht – noch vielfältiger als die verhandelten Themen, die debattierenden Berufsgruppen plus die anwesenden Macher- und Zuschauer-Generationen zusammen.
Das Unbehagen des weithin als «Kulturbürgermeister» verehrten und dem Theater grundsätzlich sehr zugeneigten Mannheimer OB Peter Kurz besteht zum Beispiel darin, aus einer Folge «Homeland» mehr über «unsere Wirklichkeit» zu erfahren als aus dem Theater, während dem Dresdner Intendanten Wilfried Schulz schon der Titel seiner Runde – er diskutierte unter anderem mit Bundeskulturstiftungschefin Hortensia Völckers zum potenziellen «Auftrag» des ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Christine Wahl
Wie ist es möglich, im Theater angesichts der drängenden ungelösten Probleme in der Welt noch künstlerische Freiheit zu behaupten? Ohne, so müsste man hinzusetzen, dass dies auf Freiheit von Realität und Verantwortung hinausläuft? Es steht die Befürchtung im Raum, dass politisches und soziales Engagement das Theater dümmer und schwächer machen, als es ist. Wenn...
Es ist fürwahr nicht leicht, den Glamour des alten Hollywood an diesen Ort zu tragen. In der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel, wo allabendlich große Massen Publikum verklappt werden, lenkt eine beflissene Lautsprecherstimme die Zuschauerströme vor die jeweils richtige Eingangstür: für Wladimir Kaminer bitte nach K6, für «Nazisupermenschen» von Showcase Beat le Mot...
Die Jugendstilbühne der Münchner Kammerspiele liegt in tiefem Nebel. Von goldgelbem Licht durchglühte Trockeneisschwaden dampfen aus der Nebelmaschine. Auch der Nieselregen vom Theaterhimmel sowie die federleichten Felsbrocken und Grasbüschel, die fünf hemdsärmelige Arbeiter in diesem hochwandigen Museumsmagazin bereits ausgiebig von vorne nach hinten geräumt...
