Seminar der Frustrierten
Auch Kathrin Rögglas letztes Stück «Die Beteiligten» befasste sich mit einer ausgefallenen Jobsituation, der sie Verallgemeinerungsfähi-ges (zum Politikgeschäft) ablauschte: Simultandolmetscher. Für Kassel hat sie sich jetzt eine Gruppe von Menschen vorgenommen, die als NGOs, Entwicklungshelfer oder Corporate Internationals im Ausland gearbeitet haben, jetzt aber zurückgekehrt sind. In der Regel nicht freiwillig, sondern weil ihr Vertrag auslief, die alten Eltern Betreuung brauchten, ein Projekt zu Ende war.
Die fingierte Situation ist ein Seminar, das ihnen die Wiedereingliederung erleichtern
soll, die Seminarleiterin Sandra selber eine unwillig Heimgekehrte. Das Publikum wird als schweigende Seminarteilnehmer angenommen; auf der Bühne Knut, ein «Sozialsöldner», der nie zurückkehren möchte; Dirk, der als Agraringenieur beim DED (Deutscher Entwicklungsdienst) in Ecuador war, wo er seine Fau fand. Die Ehe überlebt die Rückkehr nicht, erst nannte seine Fau ihn einen Sesselpuper (er «evaluiert» jetzt Entwicklungsprojekte), dann verschwand sie wieder nach Ecuador. Maren war WHO-Länderdirektorin, betrachtet Entwicklungshilfe nicht moralisch, sondern «systemisch», ist aber jetzt zur ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 52
von Barbara Burckhardt
Es ist ein strahlender Herbsttag in Wien – aber so sonnig ist es nun auch wieder nicht, dass man die Brille das ganze Gespräch über aufbehalten müsste. Zumal das Treffen im abgedunkelten Erzherzogzimmer im Burgtheater stattfindet. Und der Porträtierte nicht der New Yorker Musiker Lou Reed ist, sondern der Wiener Schauspieler Johannes Krisch.
Aber Krisch ist nun...
Theaterbetriebe werden oft als Dampfer bezeichnet, und Intendanten sehen sich bekanntlich gern in der Rolle des Steuermanns. Wohl um diesem guten Gefühl auch mal auf der Bühne Ausdruck zu verleihen, hat sich Johan Simons zur Eröffnung seiner zweiten Spielzeit als Intendant der Münchner Kammerspiele Federico Fellinis Alterswerk «E la nave va» aus dem Jahr 1983...
Was von den Schauspielern bei ihrem ersten Auftritt als «futuristisches thailändisches Bühnenbild» angesprochen wird, sieht wie ein kugeliger Bungalow vom alten Visionär Buckminster Fuller aus und erinnert zusammen mit dem aufgeschnittenen Container von Chasper Bertschinger an die legendäre Prater-Wohnfront. Die sieben Akteure haben jedoch etwas für eine...
