In Konsens-Gewässern
Theaterbetriebe werden oft als Dampfer bezeichnet, und Intendanten sehen sich bekanntlich gern in der Rolle des Steuermanns. Wohl um diesem guten Gefühl auch mal auf der Bühne Ausdruck zu verleihen, hat sich Johan Simons zur Eröffnung seiner zweiten Spielzeit als Intendant der Münchner Kammerspiele Federico Fellinis Alterswerk «E la nave va» aus dem Jahr 1983 ausgesucht, eine elegische Farce über den bevorstehenden Untergang des alten Europa, die bei aller Kulissenhaftigkeit der Studioaufnahmen nicht gerade nach einer Bühnenadaption schreit.
Aber es gibt darin einen Chor der Heizer, die in der Tiefe des Schiffsbauchs Kohlen schaufeln, um die Maschinen in Gang zu halten, und den lässt Simons in München nun von Mitarbeitern seiner Kammerspiele aus allen Abteilungen verkörpern: 55 Theatermenschen, die sonst unsichtbar hinter den Kulissen wirken, dürfen endlich mal vors Publikum treten und – volle Kraft voraus! – Solidarität mit ihrem Unternehmen demonstrieren. Wenn das kein euphorischer Spielzeitauftakt ist! Sonst lassen sich anhand des Stoffs, wenn schon nicht gerade überraschende Erkenntnisse, so doch zumindest eine zeitlose Zustandsbeschreibung vom moralischen Schlingerkurs der ...
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Theater heute November 2011
Rubrik: AUFFÜHRUNGEN, Seite 25
von Silvia Stammen
Auch Kathrin Rögglas letztes Stück «Die Beteiligten» befasste sich mit einer ausgefallenen Jobsituation, der sie Verallgemeinerungsfähi-ges (zum Politikgeschäft) ablauschte: Simultandolmetscher. Für Kassel hat sie sich jetzt eine Gruppe von Menschen vorgenommen, die als NGOs, Entwicklungshelfer oder Corporate Internationals im Ausland gearbeitet haben, jetzt aber...
Liebes «Theater heute»,
«Mut zur Wut!» war Deine Forderung im diesjährigen Jahrbuch. Dieser Aufforderung
möchte ich unverzüglich Folge leisten und an dieser Stelle meine Wut über die Behandlung einer von Dir leider überwiegend ausgesparten Gattung Theaterschaffender, nämlich die des arbeitslosen, pardon, freischaffenden Schauspielers frank und frei herausposaunen....
Neulich hat ein Wiener Philosoph wieder eine Kulturrevolution ausgemacht. Seit Mitte der Neunziger beobachtet Robert Pfaller einen öffentlichen «Beleuchtungswechsel». Dabei geht es um die ziemlich zentrale Frage, «wofür es sich zu leben lohnt», und vor allem um bedeutende Verschiebungen, was die allgemein akzeptierten Antworten betrifft: «Objekte und Praktiken wie...
