Seid kauzig
Es gibt nichts Schöneres als junge Menschen, die voller Enthusiasmus und Energie Theater spielen. Aber unter uns: Wenn es nicht gerade die eigenen Kinder sind, die sich auf Schul- oder Kitabühnen austoben, ist diese Behauptung reine Heuchelei. Ein gutes Beispiel für die Wirkungsgrenzen von Jugendfrische und Kreativität kann man derzeit in den Kammerspielen des Deutschen Theaters bestaunen.
Dort hat Nurkan Erpulat, der Überraschungs-Regiestar der Saison («Verrücktes Blut»), für «Clash» die derzeit erforderlichen Erfolgszutaten miteinander vermengt: ein interkulturelles Ensemble aus
jugendlichen Berlinern und eine Stückentwicklung, die sich anhand des Science-Fiction-
Klassikers «Planet der Affen» satirisch mit Thilo Sarrazins nassforscher Integrationsforderung auseinandersetzt.
Dazu teilen die 17 Amateure sich auf in «Helden» und «Primitive» (Hartz-IV-Empfänger in Trainingsanzügen aus lila Ballonseide), die sich nach einer Notlandung in die vermeintlich niedrigere Zivilisation der Affen integrieren müssen. Letztere verehren Guru Sarrazin – eine gelegentlich vom Bühnenboden schwebende Schnauzbartpuppe – und wenden seine Geheimlehre (erfolgreich) auf die Menschheit an. Vor dieser ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Eva Behrendt
Eine Handvoll Orthopädie-Patienten schlurft auf die Bühne des Kleinen Hauses im Staatsschauspiel Dresden. Der zweckorientierten Sportkleidung nach zu urteilen, die die Truppe unter ihren Beinschienen, Kniemanschetten und Halskrausen trägt, ist sie auf dem Weg zur Krankengymnastik. Die erste Übung: kollektives Zittern im Kreis. Man schlägt sich wacker. Auch in der...
Zwei unterschiedlichere Stoffe und Herangehensweisen sind kaum vorstellbar. Hier die Geschichte der Sibel Kekilli, die mit «Gegen die Wand» zur Schauspielerin und in Fatih Akins Kino der großen Gefühle zu einer Ikone für alle Deutsch-Türkinnen wurde, für die ein Aus-
brechen aus dem familiären Feld der Ehre bittere Folgen haben kann. Und dort Nis-Momme Stockmanns...
Was vom Abend übrig bleibt, ist ein Jeton. Zumindest, wenn man ihn nicht in der Pause verspielt hat. Die Pause nämlich dient nicht nur der allgemeinen Blasenentleerung, sondern
bedient den kollektiven Spieltrieb. Es gibt Sekt, Casinotische und ein Szenario, das die eigentliche Aufführung vorher und nachher ziemlich in den Schatten stellt. Erst zögerlich, dann wie...
