Lob der Heimat
Natürlich könnte man jederzeit die Sinnfrage stellen: Wer braucht eine vierstündige
Dramatisierung von Falladas Wirtschaftskrisen-Panorama «Bauern, Bonzen und Bomben», wenn man in dieser Zeit schon 200 bis 300 Romanseiten lesen könnte? Wozu eine Bühnenbearbeitung dieses deutschen 30er Jahre Kleinstadt-Polit-Biotops, wenn sie doch nur ohne weitere Deutungsabsicht den Hauptintrigensträngen folgt? Andererseits: Was soll man
mit dieser verwinkelten Hintertreppen-Saga aus der miefigen Provinz schon anderes anfangen, als den Stadtplan aus gegenseitigen Abhängigkeiten, Erpre
ssungen, Sozialneid und -not
nachzuzeichnen?
Aber wer kann schon einen ganzen Abend die Sinnfrage schwingen? Wenn Tom Kühnels unsentimental-genaue Szenenfolge vorbeizieht, stellt sich nach den ersten ein, zwei Stunden
ein zurückgelehntes Interesse ein, wie die kleinen Trickser und Betrüger, die Sozialdemokraten und die Zentrumsleute, die halbruinierten Bauern und verhassten Beamten, die Dorfhonoratioren und Kaufleute, die ausgemergelten Ehefrauen und ihre unzuverlässigen Ehemänner die nächste Runde ihrer kleineren und größeren Schweinereien überstehen. Wie sie sich gegenseitig absägen und leicht ramponiert wieder ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Franz Wille
Aachen, Grenzlandtheater
Kasse: 00 41/1/261 21 79
14. DiPietro, Noch einmal verliebt (DE)
R. Stefanie Stroebele
Aachen, Theater
Kasse: 02 41/478 42 44
2. nach Döblin, Berlin Alexanderplatz
R. Ewa Teilmans
aalen, Theater der Stadt
Kasse: : (073 61) 52 26 00
16. Shakespeare, Hamlet
R. Katharina Kreuzhage
Altenburg/Gera, TPT
Kasse Altenburg: 034 47/58 51 61
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Was vom Abend übrig bleibt, ist ein Jeton. Zumindest, wenn man ihn nicht in der Pause verspielt hat. Die Pause nämlich dient nicht nur der allgemeinen Blasenentleerung, sondern
bedient den kollektiven Spieltrieb. Es gibt Sekt, Casinotische und ein Szenario, das die eigentliche Aufführung vorher und nachher ziemlich in den Schatten stellt. Erst zögerlich, dann wie...
Von einer Übersiedelung nach Marseille ist dringend abzuraten. Zumindest wenn man sich die Fallbeispiele auf der diesjährigen Berlinale vor Augen führt. In Jan Krügers Forumsbeitrag «Auf der Suche» erleidet Volksbühnen-Novize Trystan Pütter in der Rolle eines ausgewanderten Arztes in der sonnig grauen Mittelmeerstadt den totalen Selbstverlust: Drogen, Affären mit...
