Sei deine Legende

Enis Maci, Mazlum Nergiz «Karl May» (U) an der Volksbühne Berlin

Theater heute - Logo

Der Titel ist eine Ansage: «Karl May», Weltbestseller-Autor aus ärmlichsten Verhältnissen, dessen Männer-Helden um Old Shatterhand, Winnetou, Kara Ben Nemsi et al. nicht nur in postkolonialen Seminarräumen bei bloßer Erwähnung die Neonröhren zum Flackern bringen. Fröhlicher Kolonialismus, kulturelle Aneignung, toxische Männlichkeit, you name it. Es braucht heute keine Silberbüchse mehr, um den sächsischen Geschichtenerzähler zur Strecke zu bringen.

Enis Maci und Mazlum Nergiz wissen das längst und nicken in ihrem Stück die allfälligen Anwürfe, wenn überhaupt, eher nebenbei pflichtschuldig ab. Ihr Text interessiert sich an mehreren lose verknüpften Beispielen mehr für das Phänomen an sich: Wie man als gesellschaftlicher Underdog seine unerreichbaren Träume erfolgreich in Legenden verwandelt, die ihre eigene Wahrheit entwerfen. Und wie – das wäre schon die gewagtere These – sich in diesem Trivialgeschichtenmüll Ereignisse verstecken, die in zukünftige Katastrophen münden. Etwas angestrengt hochtrabend mit den Worten, die in der Uraufführung (Regie Maci/Nergiz) Martin Wuttke vertritt: «Wir bewegen uns auf den Ruinen der Vergangenheit oder in der Kulisse eines in Zukunft noch zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2024
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Vertrauen in das Wort

Sivan Ben Yishai Ich habe die Redaktion gefragt, ob es in Ordnung wäre, dieses Interview in schriftlicher Form zu führen. Viele reden gerade. Viele schnelle Äußerungen, hastige Worte. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich lieber geschwiegen. Ist es aber nicht. Diese Tage bringen eine Hoffnungslosigkeit mit sich, wie ich sie bislang nicht kannte. 

Theater heute Wi...

Rituale und Verstrickungen

Plötzlich wird jemand ohnmächtig. Ausgelöst durch die drastischen Bilder, die sich als Videoprojektion über die Bühne ergießen. Steven Cohen schleicht auf diesen Bildern in hohen Plateauschuhen, greller Maske mit Sternen und einem wallenden Kostüm durch ein Schlachthaus. Der Umhang lässt sich sich in diesem Kontext als eingeweidefarben beschreiben. Blut tropft auf...

Premieren, Festivals 2/2024

AACHEN, DAS DA THEATER
22. nach Fitzek, Der erste letzte Tag
R. Tom Hirtz

AACHEN, THEATER
3. Sapienza, Die Kunst der Freude
R. Anaïs Durand-Mauptit 
9. Lorenz und D’Aprile, Das Leben ein Clown (U)
R. Charlotte Lorenz und Jakob D’Aprile

ALTENBURG/GERA, THEATER
4. Böll, Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann
R....