Schuld und Süßigkeiten
Noch immer betrete ich das Humboldt -forum mit Skepsis. Der Abriss des Palasts der Republik und die Rekonstruktion des preußischen Stadtschlosses, der Versuch also, DDR-Geschichte in Berlins Mitte einzutauschen gegen die nicht minder problematische preußische Tradition, ist der eine Haken – die Unterbringung des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst mit ihren zumeist auf kolonialen Wegen nach Deutschland gekommenen Exponaten der andere.
Gleichzeitig bemüht sich die Leitung des Hauses, so aufgeklärt und kontextualisierend wie möglich mit problematischen Inhalten umzugehen – bloß, reicht das?
Eine besonders wirkungsvolle Strategie, das schwierige Erbe zu thematisieren, ist die Einladung internationaler Künstler:innen, die sich in Residenzen mit dem Museum auseinandersetzen. So hat der Leiter des Veranstaltungsprogramms, der ehemalige Karlsruher Schauspieldirektor Jan Linders, im letzten Winter Albert Ibokwe Khoza nach Berlin geholt, Performance Artist und Sangoma – so bezeichnen die südafrikanischen Xhosa traditionelle Heiler und Vermittlerinnen zwischen den Lebenden und der Geisterwelt. Aus Khozas Residenz ist nun eine multimediale Performance hervorgegangen, ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt
Es wirkt wie die Wartehalle eines Bahnhofs im Hinterland, in dem die russische Gutsbesitzerin zurückkehrt: Schmutzig gelbe Fliesen bedecken die grauen Wände, in die ein fraglich funktionierender Fahrstuhl eingelassen ist. Hoch oben hängt eine schmucklose Uhr, deren Anzeige schon lange stehen geblieben ist. Der einstige Reichtum der Familie scheint dem Verfall...
Die zehn Jahre der Intendanz von Wilfried Schulz am Düsseldorfer Schauspielhaus waren ein Test der Fähigkeit zur Resilienz eines deutschen Stadttheaters. Resilienz eines Materials, einer Person, einer Organisation ist die Fähigkeit, nach durch äußere Einflüsse bedingter, vorübergehender Instabilität wieder zum stabilen Zustand zurückkehren zu können. Aber bei einer...
Früher oder später werden wir zu dem, was wir tun», erklärt der italienische Theatermacher Nicola Borghesi dem hochkonzentrierten und tief bewegten Publikum. Gemeinsam mit Enrico Baraldi, seinem Kollegen von der Theatergruppe Kepler-452, hatte er im Sommer 2024 eine Seenotrettung im zentralen Mittelmeer begleitet, an Bord der deutschen Sea-Watch 5. Und auch wenn...
