Schuld und Süßigkeiten
Noch immer betrete ich das Humboldt -forum mit Skepsis. Der Abriss des Palasts der Republik und die Rekonstruktion des preußischen Stadtschlosses, der Versuch also, DDR-Geschichte in Berlins Mitte einzutauschen gegen die nicht minder problematische preußische Tradition, ist der eine Haken – die Unterbringung des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst mit ihren zumeist auf kolonialen Wegen nach Deutschland gekommenen Exponaten der andere.
Gleichzeitig bemüht sich die Leitung des Hauses, so aufgeklärt und kontextualisierend wie möglich mit problematischen Inhalten umzugehen – bloß, reicht das?
Eine besonders wirkungsvolle Strategie, das schwierige Erbe zu thematisieren, ist die Einladung internationaler Künstler:innen, die sich in Residenzen mit dem Museum auseinandersetzen. So hat der Leiter des Veranstaltungsprogramms, der ehemalige Karlsruher Schauspieldirektor Jan Linders, im letzten Winter Albert Ibokwe Khoza nach Berlin geholt, Performance Artist und Sangoma – so bezeichnen die südafrikanischen Xhosa traditionelle Heiler und Vermittlerinnen zwischen den Lebenden und der Geisterwelt. Aus Khozas Residenz ist nun eine multimediale Performance hervorgegangen, ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt
Theater heute «Wokey Wokey» trägt sein Thema im Titel. Es geht um eine gescheiterte Neuverfilmung von George Orwells «1984», bei der die Sprech- und Denkverbote mit woken Thesen gleichgesetzt werden. Das Thema verfolgt Sie: Schon 2017 haben Sie im Berliner Gorki Theater ihr Stück «The Sequel» uraufgeführt, in dem es ebenfalls um eine Neuverfilmung von «1984» geht,...
Ping! Eine Nachricht ploppt auf: «Werter Herr Doktor, Sie können ja nicht mal ein Paar Kinderbeine über den Marktplatz laufen sehen, ohne das Ihnen die Augen raushängen.» Das Image von Dr. Grips, eigentlich ein angesehener Arzt, kriegt plötzlich Einschusslöcher. So werden per Messengerdienst heute Fakenews gestreut. Im Roman «Veritas verhext die Stadt» der...
Paradox: An der «Dreigroschenoper» störte Bertolt Brecht ihr überwältigender Publikumserfolg. Die Zuschauer:innen lieben bis heute Kurt Weills unmittelbar in den Hörsog ziehende Ohrwurm-Musik, Brechts pointierte, zum Teil ins deutsche Sprichwörtertum eingegangene Songtexte, die schrägen Figuren, kurz: die gute Unterhaltung eines vermeintlich bloß amüsanten...
