Schauspiel Leipzig, Residenz: Verstehen ohne Einverständnis
Es gibt nicht viel zu sehen bei «Last but not last». Einziges Requisit ist ein großes Buch, das auf einer Art Altar liegt und aus dem abwechselnd die beiden libanesischen Künstler Lina Majdalanie und Rabih Mroué auf Englisch im Erzählerstil vorlesen. Über ihnen erscheinen in Überblendungen Illustrationen von George Khoury, der diese Lecture-Performance im Stil einer Graphic Novel bebildert.
Gegen diesen formal minimalistischen Ansatz von «Last but not last» steht das sperrige, sich in immer neue Schichten und Fantasmen ausbreitende Thema des Abends: der aktuelle Zustand der polnischen Gesellschaft im Zeichen eines aggressiven Nationalkatholizismus, der all das attackiert, was aufgeklärte liberale Gesellschaften des 21. Jahrhunderts ausmacht. Die Performance verwischt aktiv die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und wendet damit die Mechanismen der Mythologisierung, die sie thematisiert, auf seinen Stoff selbst an, um ihn intellektuell und künstlerisch greif- und darstellbar zu machen.
Dazu verwebt das Duo Majdalanie/Mroué die Geschichten der polnischen Nationalhelden Witold Pilecki und Andrzej Kmicic. Pilecki war Offizier der polnischen Armee, ging 1940 zum Aufbau einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs
Drama und Theorie sind immer noch Männersache, wenn man auf den Kanon und die einschlägigen Lexika sieht: über Frauen und ihren langen Weg in die Unsterblichkeit
Marina Galic, gerade erst Anfang 40, spielt schon seit über 20 Jahren in den besten Ensembles: an der Schaubühne, am Münchner Residenztheater, am Hamburger Thalia Theater. Ein Porträt
Alles nur...
Kurz nach dem Corona-Lockdown im März registrierte man noch mit kindlichem Staunen all die Verhaltensveränderungen, mit denen die Menschen auf der Straße scheinbar signalisierten: Wir haben verstanden, dass ein pandemischer Virus uns gerade Grenzen aufzeigt. Jetzt, nach Monaten der häuslichen Quarantäne, ist da nicht mehr diese staunende Ergriffenheit angesichts...
Gutes Theater ist wunderbar», schreiben die «CyberRäuber» Björn Lengers und Marcel Karnapke auf ihrer Homepage. «Aber die Zeiten des Theaters als bürgerliches Leitmedium sind vorbei.» Dass die «Mission» der CyberRäuber ausgerechnet im Deutschen Theater Berlin uneingeschränkt Zustimmung findet, darf man bezweifeln. Doch für die diesjährige, Corona-bedingt im...
