Schauspiel Leipzig, Residenz: Verstehen ohne Einverständnis

Lina Majdalanie, Rabih Mroué «Last but not last» (UA)

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Es gibt nicht viel zu sehen bei «Last but not last». Einziges Requisit ist ein großes Buch, das auf einer Art Altar liegt und aus dem abwechselnd die beiden libanesischen Künstler Lina Majdalanie und Rabih Mroué auf Englisch im Erzählerstil vorlesen. Über ihnen erscheinen in Überblendungen Illustrationen von George Khoury, der diese Lecture-Performance im Stil einer Graphic Novel bebildert.

Gegen diesen formal minimalistischen Ansatz von «Last but not last» steht das sperrige, sich in immer neue Schichten und Fantasmen ausbreitende Thema des Abends: der aktuelle Zustand der polnischen Gesellschaft im Zeichen eines aggressiven Nationalkatholizismus, der all das attackiert, was aufgeklärte liberale Gesellschaften des 21. Jahrhunderts ausmacht. Die Performance verwischt aktiv die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und wendet damit die Mechanismen der Mythologisierung, die sie thematisiert, auf seinen Stoff selbst an, um ihn intellektuell und künstlerisch greif- und darstellbar zu machen.

Dazu verwebt das Duo Majdalanie/Mroué die Geschichten der polnischen Nationalhelden Witold Pilecki und Andrzej Kmicic. Pilecki war Offizier der polnischen Armee, ging 1940 zum Aufbau einer ...

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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Torben Ibs

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