Mainz Staatstheater: Die hohe Kunst des Ferndialogs
Kurz nach dem Corona-Lockdown im März registrierte man noch mit kindlichem Staunen all die Verhaltensveränderungen, mit denen die Menschen auf der Straße scheinbar signalisierten: Wir haben verstanden, dass ein pandemischer Virus uns gerade Grenzen aufzeigt. Jetzt, nach Monaten der häuslichen Quarantäne, ist da nicht mehr diese staunende Ergriffenheit angesichts eines von Seuchen-Regeln durchdrungenen Alltags.
Es macht sich eher ein mulmiges Gefühl breit: Ist es eigentlich zulässig, schon wieder in einem voll besetzten ICE zu reisen und kurz darauf in einem Theaterraum zu sitzen? Die ersten Premieren nach den Quarantäne-Wochen waren ein Test für die Theater, ob ein verantwortungsvoller Spielbetrieb in Zeiten von Corona zu gewährleisten ist. In Mainz war zu sehen, dass das durchaus funktioniert, der Preis allerdings hoch sein kann.
Es fehlt die Direktheit eines Zusammentreffens im öffentlichen Raum. Alle verhielten sich wie Musterschüler der Covid-19-Prävention, und das hatte zur Folge, dass man in einem mehr oder weniger sterilen Theater unterwegs war. «Tage des Verrats» von Drehbuchautor und Filmproduzent Beau Willimon wurde 2008 am Off-Broadway uraufgeführt, drei Jahre später ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Jürgen Berger
Es ist Sommer. Es ist Pandemie. Das Theater menschenleer. «Es wird nie wieder so sein wie früher», orakelt einem die strenge Stimme in die Ohren, während man sich, mit ipod und Kopfhörern ausgerüstet, auf eine interaktive Reise durchs Stuttgarter Schauspielhaus begibt – je eine Person im 5-Minuten-Abstand. Der Regisseur Stefan Kaegi vom Theaterkollektiv Rimini...
Hast du die Regel mit den zehn Kontakten verstanden?» «Nein. Darf man jederzeit mit zehn Leuten zusammenstehen? Worin besteht dann der Schutz?» Anscheinend gibt es eine Unklarheit im ansonsten ausgeklügelten Pandemiekonzept beim Internationalen Sommerfestival Hamburg bezüglich der Frage, mit wie viel Personen man sich treffen kann. Zehn Besucher*innen dürfen...
Welche Rolle hat das Theater bei den politischen Protesten in Weißrussland gespielt? 26 Jahre lang hat Lukaschenko auf der Grundlage eines unausgesprochenen Kompromisses regiert: Er gab Stabilität, aber niemand war politisch aktiv. Es gab keine Reformen in Belarus, niedrige, aber stabile Gehälter, kaum Kriminalität – aber alle Wahlen waren intransparent, politische...
