Rundfunkgebühr: Der Marsch auf die Institutionen
Im schönsten alpinen Hochtal der Schweiz, im Engadin, hört man im Zug, wie weit der Schutz der Minderheiten gehen kann. Die Haltestellen der Rhätischen Bahn werden nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Rätoromanisch angesagt, Letzteres in verschiedenen Regiolekten. «Fermada sin Dümonda» oder «sin Dumanda»: «Halt auf Verlangen» einmal in Scuol und einmal ab Brail Richtung St. Moritz. Immerhin: Die Sprecherin bleibt dieselbe.
Minderheitenschutz und Traditionspflege sind so teuer wie hochwertiges Schienenmaterial und Pünktlichkeit.
Sie gehören in der Schweiz zur Infrastruktur wie Schulen und schöne Straßen. Das Bewusstsein für öffentliche Institutionen ist in der Schweiz auch deshalb hoch, weil sie der Mehrsprachigkeit Rechnung tragen. Der größte Laden, der diese Idee des heterogenen Kleinstaats im Kern verkörpert, ist die SRG, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft mit knapp 6000 Mitarbeitern und einem Budget von rund 1,6 Milliarden Franken. Zwei Drittel des Geldes stammen von Gebühren, der Rest war Werbung.
Dieser demokratische Konsens steht auf dem Spiel. Es geht um einen neoliberalen Marsch auf die Institutitionen, wie ihn die Schweiz noch nie gesehen hat. Am 4. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Tobi Müller
Die österreichische Erstaufführung von «Homohalal» beginnt damit, dass sich der Schauspieler Johnny Mhanna vorstellt. Er stamme aus Damaskus und sei 2015 über die Türkei, Griechenland, Serbien und Ungarn nach Österreich geflüchtet. «In zweieinhalb Jahren in Österreich habe ich in 14 Theaterproduktionen gespielt. Ich bin voll ausgebucht», sagt er. «Jedes Theater in...
Eine Superposition bezeichnet in der Physik die Überlagerung gleicher physikalischer Größen, wobei sich jene nicht gegenseitig behindern. Was für den physikalisch durchschnittlich bewanderten Theaterbesucher mehr oder weniger unverständlich ist – man versteht vor allem, dass man nichts versteht. Dieses Nichtverstehen ist die Basis von Alexander Giesches theatraler...
In einer charmant abgerockten Fabrikhalle in der szenigsten Gegend von Minsk sitzt ein nackter, rot bemalter Endvierziger und verspeist in hoher Frequenz gebratene Hühnerschenkel. Falls er den kleinen Geflügelberg, der sich da auf dem Tisch vor ihm auftürmt, tatsächlich aufessen wollte, hätte er ziemlich Menschenunmögliches vor.
Um eine Mission impossible scheint...
