Rundfunkgebühr: Der Marsch auf die Institutionen

Das Schweizer Stimmvolk entscheidet über die Abschaffung der Radio- und Fern­sehgebühren. Noch nie wurde so heftig über eine so radikale Initiative debattiert.

Im schönsten alpinen Hochtal der Schweiz, im Engadin, hört man im Zug, wie weit der Schutz der Minderheiten gehen kann. Die Haltestellen der Rhätischen Bahn werden nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Rätoromanisch angesagt, Letzteres in verschiedenen Regiolekten. «Fermada sin Dümonda» oder «sin Dumanda»: «Halt auf Verlangen» einmal in Scuol und einmal ab Brail Richtung St. Moritz. Immerhin: Die Sprecherin bleibt dieselbe.

Minderheitenschutz und Traditionspflege sind so teuer wie hochwertiges Schienenmaterial und Pünktlichkeit.

Sie gehören in der Schweiz zur Infrastruktur wie Schulen und schöne Straßen. Das Bewusstsein für öffentliche Institutionen ist in der Schweiz auch deshalb hoch, weil sie der Mehrsprachigkeit Rechnung tragen. Der größte Laden, der diese Idee des heterogenen Kleinstaats im Kern verkörpert, ist die SRG, die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft mit knapp 6000 Mitarbeitern und einem Budget von rund 1,6 Milliarden Franken. Zwei Drittel des Geldes stammen von Gebühren, der Rest war Werbung.

Dieser demokratische Konsens steht auf dem Spiel. Es geht um einen neoliberalen Marsch auf die Institutitionen, wie ihn die Schweiz noch nie gesehen hat. Am 4. ...

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Theater heute März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Tobi Müller

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