Die Wahrheit der Zeitzeugen

Was hat der Krieg in der Ukraine mit Deutschland zu tun? Eine Reportage über ein dreiteiliges Projekt des Internationalen Theaterinstituts ITI in Köln, Kiew und Moskau über alte und neue Kriegserfahrungen

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Warum sollen wir ausgerechnet jetzt über historische Verantwortung sprechen, da Russland einen Teil der Ukraine überfallen und besetzt hat, da die Brexit-Verhandlungen begonnen haben, da überall in Europa Wahlen stattfinden, bei denen die Populisten nach der Macht streben, da die Verfassungsordnung der Vereinigten Staaten von innen bedroht ist?», fragte der Historiker und Yale-Professor Timothy Snyder in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag am 20. Juni 2017. Ja, warum? 

Am 20.

Juni 1941 erteilt Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den Komponisten Norbert Schultze und Herms Nil den Auftrag, das «Lied vom Feldzug im Osten» zu vertonen und dabei Franz Liszts «Les Préludes» einzuarbeiten − auf ausdrücklichen Wunsch des «Führers». Ungefähr zur gleichen Zeit steht Oberstleutnant Gerhard Kegler im Aufmarschgebiet an der Ostfront und informiert die Kommandeure des 27. Infanterieregiments über die «außergewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen und Vollmachten», die der unmittelbar bevorstehende «ausgesprochenste Weltanschauungskrieg» erfordere: Der «Vernichtungskampf» mache die «Anwendung brutalster Gewalt nötig», darunter auch «kollektive Gewaltmaßnahmen» gegen ganze Ortschaften. Am 22. ...

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Theater heute März 2018
Rubrik: International, Seite 36
von Anja Quickert

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