Robotergötter
Die Singularität ist schon lange der richtig heiße Scheiß im dystopischen Science-Fiction und sämtlichen Diskussionen um Artifical Intelligence. Sie bezeichnet den Moment, in dem die Algorithmen ein eigenes Bewusstsein entwickeln und sich vom Menschen emanzipieren. Für den Menschen ist das meist eher schlecht, wie etwa die «Terminator»-Reihe oder «Matrix» gezeigt haben.
Auch in Dresden fand man die Frage nach dem neuen Zusammenleben von Mensch und Maschine interessant und wählte das knallbunte Krimi-Musical «Android Ergo Sum» – frei nach dem berühmten Ausspruchs Descartes –, um sie zu verhandeln. Geschrieben hat es das künstlerische Trio Dlé, bestehend aus Malcolm Kemp, Tim Knapper und Florian Hertweck, der auch gleich die Regie und einen der spielerischen Parts übernommen hat, allerdings zur Premiere am Kleinen Haus coronabedingt durch David Kosel ersetzt wurde.
Es ist das Jahr 45 nach der Singularität: Androiden und Mikro-Bots verehren die Menschen, die ihnen das «Leben» geschenkt haben, wie Götter. Arbeit ist quasi abgeschafft, Heerscharen von Bots jeder Größe kümmern sich um die Minimierung menschlichen Risikos, koordiniert von dem Über-Bot-Netz MADI (steht für «Multiple ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
«Wie alles endet» am Theater Basel beginnt am Ende und endet in der Mitte. Zu Beginn versuchen drei Frauen, den sich schließenden Vorhängen zu entkommen. Am Ende steigen sie souverän über die Vorhangstangen hinweg und konsta -tieren: «Wir stecken in der Mitte fest.» Die drei sind zusammengekommen, weil in zwei Stunden die Welt untergeht und sie nicht wissen, was...
«Der Feind ist unsere eigene Frage als Gestalt.» (Carl Schmitt)
Krieg, grassierender Nationalismus, Klimakatastrophe, Inflation, Energiepreisexplosion, riesige sozioökonomische Krise. All das hängt zusammen und verstärkt sich wechselseitig und lässt sich – wenn überhaupt – nur in einer weltweiten gemeinsamen Kraftanstrengung bekämpfen, über alle politischen...
Noch bevor alle Zuschauer:innen ihre Plätze eingenommen haben, wird die vierte Wand durchbrochen. Und zwar vom Kamerakran, der weit in den Saal des Hamburger Schauspielhauses hineinfährt und dem Publikum so direkt auf die Pelle rückt. Auge in Kameraauge steht man sich da gegenüber, und das penetrant vor einem filmende Gerät erinnert dabei an das Monster, das im...
