Ein verdammtes Ding nach dem anderen

Manuela Infante «Wie alles endet» (U) in der Kunsthalle Basel

Theater heute - Logo

«Wie alles endet» am Theater Basel beginnt am Ende und endet in der Mitte. Zu Beginn versuchen drei Frauen, den sich schließenden Vorhängen zu entkommen. Am Ende steigen sie souverän über die Vorhangstangen hinweg und konsta -tieren: «Wir stecken in der Mitte fest.» Die drei sind zusammengekommen, weil in zwei Stunden die Welt untergeht und sie nicht wissen, was sie bis dahin tun sollen. Sie sind keine Charaktere, keine Figuren, eher drei Seiten einer Seele. Sind, so zeigt sich später, drei Stimmen im Kopf einer Frau, die im Hungerstreik liegt.

 

Zunächst bricht die Geschichte dieser Frau wie ein Fremdkörper aus dem Off, halb gesungen, halb gesprochen, metallisch-verfremdet. Zunehmend verwandeln die drei sich diese Stimme an, führen ihre Geschichte aus, begründen die radikale Aktion. Sie verweigert das Essen, weil es ihr nicht mehr schmeckt. Die Chicken Wings – nur Gift. Der Reis – nur Plastik. Sie wird bewacht, liegt gefesselt, ein Plastikschlauch in der Speiseröhre, denn sie wird zwangsernährt. Der Tod wird nicht kommen. Wie es weitergeht? «Es ist alles wie immer», stellt sie abschließend fest, gerade aus dem Koma erwacht. 

Endzeitvorstellungen seien eine Erfindung des westlichen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Valeria Heintges

Weitere Beiträge
Gegengewicht für eine bessere Welt

Was soll das denn heißen? Dief Gein?», fragt eine Passantin. Karotten und Frühlingszwiebeln im Einkaufskorb, kommt sie offenbar gerade vom Wochenmarkt auf dem Herzogin-Anna-Amalia-Platz. Forsch, fast gereizt, ruft sie ihre Frage in Richtung der Holzbude, die vor dem kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig aufgestellt ist. Die junge Frau, die dort für das...

Perestroika-Menschen

Am 20. August 1991 wartete ich in einer Stadt in den Abruzzen auf Kurt Hübner. Er war in einen Kiosk gegangen, und ich sehe ihn noch heute, wie er zurückkam, mir die deutsche Zeitung hinhielt und die Hände über dem Kopf zusammenschlug: «Putsch in der Sowjetunion – Ausnahmezustand – Präsident Gorbatschow unter Hausarrest.» 

Mit Hübner sollte ich an diesem Tag ein...

Pläne der Redaktion 10/22

Ophelia hat in ihrem kurzen Leben schon viel auf dem Theater erlebt, aber Florentina Holzinger hat sie noch nie getroffen. Jetzt aber: «Ophelia’s Got Talent!» in der Berliner Volksbühne

Der Nachwuchsschauspieler des Jahres: Johannes Hegemann, ein Porträt

Es gibt viel notwendigen Diskurs im Theater, es gibt inzwischen auch Diskurs-Musicals und seit allerneuestem ein...