Ein verdammtes Ding nach dem anderen
«Wie alles endet» am Theater Basel beginnt am Ende und endet in der Mitte. Zu Beginn versuchen drei Frauen, den sich schließenden Vorhängen zu entkommen. Am Ende steigen sie souverän über die Vorhangstangen hinweg und konsta -tieren: «Wir stecken in der Mitte fest.» Die drei sind zusammengekommen, weil in zwei Stunden die Welt untergeht und sie nicht wissen, was sie bis dahin tun sollen. Sie sind keine Charaktere, keine Figuren, eher drei Seiten einer Seele. Sind, so zeigt sich später, drei Stimmen im Kopf einer Frau, die im Hungerstreik liegt.
Zunächst bricht die Geschichte dieser Frau wie ein Fremdkörper aus dem Off, halb gesungen, halb gesprochen, metallisch-verfremdet. Zunehmend verwandeln die drei sich diese Stimme an, führen ihre Geschichte aus, begründen die radikale Aktion. Sie verweigert das Essen, weil es ihr nicht mehr schmeckt. Die Chicken Wings – nur Gift. Der Reis – nur Plastik. Sie wird bewacht, liegt gefesselt, ein Plastikschlauch in der Speiseröhre, denn sie wird zwangsernährt. Der Tod wird nicht kommen. Wie es weitergeht? «Es ist alles wie immer», stellt sie abschließend fest, gerade aus dem Koma erwacht.
Endzeitvorstellungen seien eine Erfindung des westlichen ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Valeria Heintges
Er ging meist auf weichen Sohlen, erinnerte, auch mit seinen listig klugen Augen, an eine weise, leise Katze. Aber Katzen sind zugleich Raubtiere. Dieser sanft wirkende, eher kleinwüchsige Mann, der, als er schon weltberühmt war, am liebsten in Jeans oder legeren Leinenhosen und mit offenem Hemd erschien, er brauchte keinen Auftritt, um einfach da zu sein. Und war...
Ich kann mich nicht beklagen über die Zeit mit ihm in Gießen vor 40 Jahren und auch nicht über die letzten Jahre zwischen 2016 bis 2019, in denen er uns oft in der Volksbühne besucht hat. Wo er 2016 mit Martin Wuttke und mir nach Proben geredet hat, oder mit mir in der Kantine. Ich hab jetzt gerade, wo ich über ihn nachdenke, das Gefühl, er hat alle Abende von mir...
So viel Kontroverse wie in diesem Sommer gab’s bei Salzburger Festspielen schon lange nicht mehr. Doch diesmal war es keine radikale Inszenierung, die für hitzige Debatten sorgte; kein Theaterskandal, nirgends. Es war vielmehr die politische Haltung der Festspiele selbst, die in der Kritik stand. Umstritten war einerseits das Engagement des griechisch-russischen...
