Reparieren statt Ausbrennen
Mich persönlich hat die Corona-Pandemie vor dem Burnout bewahrt. Ich war zu dieser Zeit mit so vielen Projekten gleichzeitig beschäftigt, dass es diese höhere Gewalt brauchte, um anzuhalten. Ich habe – auch während Corona – nicht wenig gearbeitet, hatte Glück, dass keines meiner Projekte abgesagt (nur verschoben) wurde, wie es vielen anderen Kolleg:innen passierte, aber alles war auf einmal veränderbar. Alles kann verschoben werden, abgesagt, verändert werden. Das war auch schon vor der Pandemie so, ich hatte es nur nicht wirklich zur Kenntnis genommen. Dieses Gefühl hilft.
Jetzt ist es nicht so, als würde ich wenig arbeiten. Ich liebe meine Arbeit. Was mich aufgefressen hat, war der permanente Druck, mich immer wieder neu zu erfinden. Gar nicht die Probenarbeit an sich, sondern die kommenden Projekte und der Gedanke – woher er auch immer kam –, da wieder etwas ganz Neues präsentieren zu müssen. Ich denke, das geht vielen so. «Für unsere Relevanz haben wir noch keinen anderen Weg gefunden, als zu produzieren, zu produzieren, zu produzieren», sagte kürzlich der scheidende Festwochen-Leiter Christophe Slagmuylder. Die Betriebe seien nach Corona wieder voll hochgefahren. Dabei ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 56
von Für Jan-Christoph Gockel
2023 werden voreilig «postpandemische Zeiten» ausgerufen, und daher erscheint Marcus Peter Teschs neues Stück genau zur richtigen Zeit. Während alle Welt sich noch mit künftigen Pandemien in Folge des Corona-Virus beschäftigt und sich im Glauben wiegt, für kommende Pandemien besser gewappnet zu sein, lenkt Tesch den Blick auf eine andere Pandemie. Seit 1983 ist...
Und natürlich könnte ich hier jetzt mit großer Geste die Utopie eines Theaters des Verzichts proklamieren. Was braucht es denn mehr als die paar Bretter, die die Welt bedeuten, und ein paar Leute, zur Not auch Lai:innen, die sich da rauf stellen, um uns hier unten zu belustigen. Wir packen ein paar Kostüme auf den Leiterwagen und ziehen los, ganz wie in alten...
Eine Einladung, in Erinnerungen zu schwelgen», verspricht die spiralgebundene Drei-Kilo-Chronik «Kampf ums Paradies», die sich das Deutsche Theater zum Ende der Ära Khuon geschenkt hat. Tatsächlich sind hier nicht nur die 384 Premieren verzeichnet, die die Riesenmaschine Deutsches Theater in 14 Spielzeiten – das sind im Schnitt 27,5 Premieren pro Saison –...
