Reparieren statt Ausbrennen
Mich persönlich hat die Corona-Pandemie vor dem Burnout bewahrt. Ich war zu dieser Zeit mit so vielen Projekten gleichzeitig beschäftigt, dass es diese höhere Gewalt brauchte, um anzuhalten. Ich habe – auch während Corona – nicht wenig gearbeitet, hatte Glück, dass keines meiner Projekte abgesagt (nur verschoben) wurde, wie es vielen anderen Kolleg:innen passierte, aber alles war auf einmal veränderbar. Alles kann verschoben werden, abgesagt, verändert werden. Das war auch schon vor der Pandemie so, ich hatte es nur nicht wirklich zur Kenntnis genommen. Dieses Gefühl hilft.
Jetzt ist es nicht so, als würde ich wenig arbeiten. Ich liebe meine Arbeit. Was mich aufgefressen hat, war der permanente Druck, mich immer wieder neu zu erfinden. Gar nicht die Probenarbeit an sich, sondern die kommenden Projekte und der Gedanke – woher er auch immer kam –, da wieder etwas ganz Neues präsentieren zu müssen. Ich denke, das geht vielen so. «Für unsere Relevanz haben wir noch keinen anderen Weg gefunden, als zu produzieren, zu produzieren, zu produzieren», sagte kürzlich der scheidende Festwochen-Leiter Christophe Slagmuylder. Die Betriebe seien nach Corona wieder voll hochgefahren. Dabei ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Verzicht, Seite 56
von Für Jan-Christoph Gockel
Vielleicht sind die Schmerzen morgen weg, wenn sich der Körper erholt hat, wenn er ausgeschlafen ist, wenn das Wetter besser wird, wenn der Stress nachlässt. Doch sie bleiben. Stechend? Glühend? Brennend? Pochend? – Dumpf? Tiefliegend? Krampfartig? Auf einer Skala von 1–10? In Deutschland leiden etwa 17 Prozent der Bevölkerung unter langanhaltenden, chronischen...
Verzicht als Praxis setzt Besitz als Tatsache voraus. Falls es eine einzige Regel gibt, die grundsätzlich stimmt: Je mehr jemand besitzt, desto größer sein ökologischer Fußabdruck. Besitz an Wohneigentum heißt zum Beispiel, dass man ihn beheizen muss. Besitz an Netzwerken bedeutet, dass man sie pflegen muss – indem man reist, viel reist. Logisch betrachtet gibt es...
Theater heute In den letzten Jahren ist das Stadttheater als Institution stark in die Kritik, auch die Selbstkritik geraten. Es gab Vorwürfe des Machtmissbrauchs, es gab viel Kritik an Arbeitsbedingungen, an hierarchischen Strukturen, am Intendant:innen-Leitungsmodell überhaupt, zuletzt auch an der Praxis der Nichtverlängerung von künstlerischen Verträgen. Darüber...
