Endlich!
Eine Einladung, in Erinnerungen zu schwelgen», verspricht die spiralgebundene Drei-Kilo-Chronik «Kampf ums Paradies», die sich das Deutsche Theater zum Ende der Ära Khuon geschenkt hat. Tatsächlich sind hier nicht nur die 384 Premieren verzeichnet, die die Riesenmaschine Deutsches Theater in 14 Spielzeiten – das sind im Schnitt 27,5 Premieren pro Saison – unermüdlich ausgespuckt hat.
Auch zahlreiche Künstler:innen und Mitarbeitende schildern darin in liebevollen Notizen erste und letzte Eindrücke, Lieblingsorte in und ums Haus herum, durchleben Glücksmomente noch einmal schriftlich und fragen sich, was vom Theater bleibt. Erstaunlich häufig ist dabei von Ulrich Khuons Intendantenzimmer die Rede, in dem, so will es ein eventuell leicht verklärender Rückblick, auch «nachts immer das Licht brannte», in dem aber auch unglaublich viel kommuniziert wurde bei Gagenverhandlungen und Meinungsverschiedenheiten, Einzelgesprächen und Interviews, zuletzt vor allem mit Journalist:innen und Kritiker:innen.
Eigentlich müsste der 72-Jährige schon ganz leer geredet sein, als wir uns mitten im Spielzeitshowdown mit seinen 39 Dernièren, darunter Ensemble- und Publikumslieblinge wie Stephan Kimmigs ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 88
von Eva Behrendt
Etwas sträubt sich in uns gegen die öffentliche Rede vom persönlichen Verzicht. Es erinnert an Kardinaltugenden, an die Mäßigung, die Platon insbesondere dem unteren Stand verordnet. (Die oberen Stände dürfen sich um Weisheit und Tapferkeit kümmern.) Soll wirklich jede:r bei sich selbst anfangen? Ist die Rede vom individuellen Verzicht nicht der unpolitische...
Zuallererst ist da ein Haus. Ein Konstrukt. Ein System. Es beherbergt un -sere Geschichten. Manches erzählt es, vieles versteckt es. Man muss die Verstecke finden, um alle Geschichten zu entdecken. Nicht nur die, die beim ersten Anblick offenbar werden. Sondern auch die, die wir zunächst übersehen haben. Denn tief im Boden schlummern und grummeln sie.
Sivan Ben...
Theater heute In den letzten Jahren ist das Stadttheater als Institution stark in die Kritik, auch die Selbstkritik geraten. Es gab Vorwürfe des Machtmissbrauchs, es gab viel Kritik an Arbeitsbedingungen, an hierarchischen Strukturen, am Intendant:innen-Leitungsmodell überhaupt, zuletzt auch an der Praxis der Nichtverlängerung von künstlerischen Verträgen. Darüber...
