Ein gewaltiges Fuck you an den Tod
2023 werden voreilig «postpandemische Zeiten» ausgerufen, und daher erscheint Marcus Peter Teschs neues Stück genau zur richtigen Zeit. Während alle Welt sich noch mit künftigen Pandemien in Folge des Corona-Virus beschäftigt und sich im Glauben wiegt, für kommende Pandemien besser gewappnet zu sein, lenkt Tesch den Blick auf eine andere Pandemie. Seit 1983 ist bereits der «Humane Immundefizienz-Virus», kurz HI-Virus, in der Welt.
Und wie vor 40 Jahren stellte sich zu Beginn der Corona-Pandemie 2019 erneut die Frage: Woher kommt das Virus? Wer hat das Virus verbreitet? Und wer war eigentlich der/die erste Überträger:in?
Es sind viele. Dank seiner fundierten Recherche, basierend auf zahlreichen Gesprächen mit HIV-Betroffenen aus verschiedenen Generationen, gelingt es Tesch, diese Vielstimmigkeit für die Bühne zu übersetzen. Mit einer ihm eigenen, sprachlich bemerkenswerten Konsequenz verschränkt er prosaische Text- und Erzählflächen mit witzigen Dialogen und formuliert ganz nebenbei eine radikale Kampfansage. Die Figurenstimmen, die wir erleben können, geben nicht nur Zeugnis vom gegenwärtigen Vergessen der HIV-Pandemie, sondern entlarven schonungslos Formen der Stigmatisierung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 162
von Katja Prussas
Die Frage nach Verzicht in der Kunst, im Theater ist äußerst vielschichtig. Das Problem lässt sich hier nicht erschöpfend behandeln. Theater kann viele exzessive Facetten haben und sich dadurch der Gegenwart mit ihrem Fokus auf (neo -liberales) Effizienzdenken, soziale Verantwortung und ökologische Ethik widersetzen. Dass es gegen die Zeit steht, ist schon...
Jetzt hat er ihn endgültig überholt, den verehrten Burgtheater-Kollegen Gert Voss: Zum dritten Mal und damit öfter als jeder andere Schauspieler seit 1989 ist Joachim Meyerhoff Schauspieler des Jahres, im Alleingang – das schaffte Gert Voss nur einmal, 1990. ’92 und ’98 teilte er sich die Ehre mit dem – von Meyerhoff nicht weniger verehrten – Ignaz Kirchner.
Natürl...
Was für ein wirklich eigenartiger Beruf ist das überhaupt: Theaterleitung? Er steckt voller kaum aufzulösender Widersprüche und ist mit einer Reihe von Zuschreibungen belastet: sehr hohen bis überhöhten Erwartungen, aber auch harter Kritik bis hin zu direkter Ablehnung. Natürlich sind Theaterleitungsprobleme nicht abgekoppelt von der Art des Betriebs und dessen...
