Raum für Krampf und Explosion
Zielstrebig steuert Herbert Fritsch auf den Tisch zu, über dem der Monitor hängt. Hier, gleich gegenüber vom Tresen in der Volksbühnenkantine, wollen wir reden: über den Bühnenbildner Herbert Fritsch. Wir wollen reden, aber über uns hängt der Monitor. Und da läuft das, was oben im Theater gerade das Publikum zum seligen Grinsen bringt: «Murmel Murmel», Fritschs prädramatischer Geniestreich nach dem zweisilbigen Text von Dieter Roth, der auf 176 Seiten nichts anderes enthält als dieses eine Wort: «Murmel».
Weshalb wir erst einmal nicht reden können, sondern nur gucken, gucken, gucken. Fritsch auf den Monitor, ich auf Fritsch. Auf dieses Gesicht, auf dem kindliche Erwartung liegt, abgrundtiefes Bangen, helle Begeisterung, während er den Blick nicht abwenden kann von seinen Spielern, die zwischen bewegten farbigen Wänden schliddern und fallen, sich verrenken und zerreißen und murmeln und murmeln. «Der spinnt ja so toll, der Wolfram», seufzt Fritsch verzückt, während auf dem Monitor Wolfram Koch in Konkurrenz zur orangenen Wand bäuchlings von der Seite hereinrobbt.
Von der Seite gesehen
Dann hält es ihn nicht mehr in der Kantine. Er will hinter die Bühne, zu seinen Technikern, von denen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Der Bühnenbildner des Jahres, Seite 102
von Barbara Burckhardt
München leuchtet! Es ist das berühmte Licht, diese sonderbare Helligkeit unter dem Alpenhimmel, die alles zum Strahlen bringt und selbst die Fassaden grinsen lässt. Wer durch die Maximilianstraße flaniert, dem blitzen Lichtreflexe aus den Schaufenstern und Vitrinen auf die Netzhaut, die zum Staunen einladen. Hier feiert sich vor allem die Welt der Mode, fein...
DC Moore führt uns in «Afghanistan» in eine «entfernte Gegend» und ins Herz der Finsternis – in einen der Kriege unserer Zeit. An einen Ort, von dem wir nichts wissen wollen. Dabei kämpfen nicht nur in Afghanistan schon lange auch deutsche Soldaten für «Enduring Freedom» – ohne dass die zu Befreienden groß gefragt worden wären – und gegen einen oft recht vage...
Felicia Zellers neuer Text führt unmittelbar in den ganz normalen Wahnsinn der gegenwärtigen, immer schneller werdenden Arbeitswelt und beschreibt dabei bestimmte Formen von Normalität, wie sie sich in unserer modernen Gesellschaft zunehmend etablieren: Normal ist, dass man sich fast ausschließlich nach Menge und Qualität geleisteter Arbeit beurteilt. Normal ist,...
