Räumliches Erzählen

Am Münchner Residenztheater zeigt Karin Henkel Franz Kafkas «Das Schloss», am Volkstheater wird «Der Zauberberg» von Thomas Mann in Claudia Bossards Inszenierung zum Vorkriegsdelirium, und an den Kammerspielen befragt Sandra Strunz A. L. Kennedys jüngsten Roman «Als lebten wir in einem barmherzigen Land» als utopische Vision

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Drei Romane – drei Weltentwürfe, zwei davon fast parallel vor hundert Jahren im Echoraum des Ersten Weltkriegs entstanden, der dritte erst 2023 und um den sozialen Kahlschlag von den 1980ern bis heute kreisend, haben im Februar (ganz unabhängig voneinander) den Weg auf die drei großen Münchner Schauspielbühnen gefunden. Am Volkstheater startete Claudia Bossard mit einer raumgreifenden Begehung von Thomas Manns «Zauberberg», an den Kam -merspielen testete Sandra Strunz die dialo -gische Tragfähigkeit des neuen, bisher nur auf Deutsch erschienen Erzählwerks der Britin A. L.

Kennedy «Als lebten wir in einem barmherzigen Land» und am Residenztheater hat sich Karin Henkel zum 100. Todestag Franz Kafkas den letzten und hermetischsten seiner drei unvollendeten Romane, «Das Schloss», ausgesucht und zusammen mit dem Bühnenbildner Thilo Reuther zu einer schwindelerregenden Raum -skulptur ausgebaut. In allen drei Fällen lenkt die Szenografie die dramatische Erzählung auf wesentliche Weise.

Bürokratie des Traums

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Theater heute März 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen

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