Punktlandung im Kino
Vom Mannheimer Hauptbahnhof fährt man 20 Minuten mit der Tram an den Stadtrand bis zum «Platz der Freundschaft». Dann steht man direkt davor: vorm alten Kino des ehemaligen US-amerikanischen Kasernenareals «Franklin». Jetzt ist das Schauspiel des Mannheimer Nationaltheaters in diesem zum Theater umgebauten Lichtspielhaus untergekommen. Mindestens für fünf Jahre. So lange soll die Generalsanierung des Haupthauses am Goetheplatz dauern.
Franklin ist ein hochinteressanter Ort. Hier lebten und arbeiteten einst 10.000 US-Ameri -kaner:innen.
Mannheim gehörte mal zu den größten europäischen US-Stützpunkten. Sechs Kasernenareale gab es hier. Franklin war das größte – in den 1950er Jahren entstanden, 88 Hektar groß, bebaut mit 220 Gebäuden. Mit dem Abzug der Besatzungsmächte aus Deutschland 2011 wurde dieses Quartier frei und befindet sich mittlerweile im Besitz der Stadt.
Im Ausgehviertel der GIs
Derzeit entsteht hier Mannheims jüngster Stadtteil, der mit 1,4 Millionen Quadratmetern in etwa so groß ist wie die Innenstadt. Seit 2015 sind 5000 Menschen «auf Franklin» gezogen, bis 2028 sollen es 10.000 werden. Dafür wird gebaut, was das Zeug hält: Ein- und Mehrfamilienhäuser, Kitas, ein ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Verena Großkreutz
Diebe der Zeit
Alexander Giesches Visual Poem zu Michael Endes «Momo» in Zürich
Je langsamer du gehst, desto schneller kommst du voran, sagt die Halbstundenprophetin Kassiopeia bei Michael Ende. In Zürich ist die Schildkröte ein ausgesprochen niedlicher Roboterhund, der sich nahtlos zwischen virtuellen Welten und dem Bühnenuniversum zu bewegen versteht, die...
Theaterarbeit und die Frage nach den Hierarchien ist ein diskursiver Dauerbrenner. Heute heißt es oft, «die hierarchischen Strukturen» innerhalb der Theaterorganisationen müssten als Wurzel vieler Übel des professionellen Theaterschaffens begriffen werden, das ganze (weißmännliche) Machtsystem sei toxisch, korrumpiert, mindestens undemokratisch, «verkrustet» usw....
Kammerton a. Der Abend beginnt wie im Konzertsaal. Die Spieler:innen haben sich locker auf der Bühne eingefunden, bei vollem Saallicht, unterhalten sich entspannt, der Keyboarder gibt den Ton vor, das Streichtrio stimmt die Instrumente. Als «Sprachkonzert» wird Sarah Kanes «Gier» gern, etwas verlegen, bezeichnet. Ein Bühnengedicht, das sie auf vier Stimmen C, M, B,...
