Psychologie auf Umwegen
Nahe am Bühnenrand, nahe am Abgrund stehen sie, diese beiden Verlorenen, ein Mann und eine Frau. Sie krallen sich aneinander, halten sich zugleich auf Distanz. Es ist spät, Mitch, der bullige, harmlos-hoffnungsvolle Kerl mit der bemüht trendigen Rockabilly-Schmalzlocke, und Blanche, dieses zerbrechliche, fast schon zerbrochene Wesen, sprechen im Halbdunkel die letzten Sätze eines ersten verkrampften Rendezvous. Ihre Körper verfallen in ein sanftes, stetes Wippen – erst zur Musik, später in völliger Stille.
Dieses Bild aus «Endstation Sehnsucht» an den Münchner Kammerspielen brennt sich ein, nicht nur weil Jochen Noch und Wiebke Puls geschlagene zwölf Minuten so weiter wippen, als wären sie im ersten Takt eines Tanzes hängen geblieben. Es prägt sich ein, weil diese angespannten Körper so viel mehr erzählen, über Einsamkeit und den hilflosen Wunsch nach Nähe, als die Protagonisten selbst jemals in Worte fassen könnten.
Meister des Understatements
Es folgt der Moment, der das Ende des Traumes unheilvoll andeutet – eine Szene, auf die sich Jochen Noch allabendlich freut: Sie löst sich aus der Umarmung. Er dreht sich zum Publikum, die Arme bleiben ausgebreitet, als würden sie die ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Cornelia Fiedler
Ein Klassiker: das Wolfskind, das wilde Kind, Kaspar Hauser. Truffaut inszenierte seinen
berühmten Film «L’enfant sauvage» nach dem historischen Fall des Victor d’Aveyron vom
Ende des 18. Jahrhunderts. Vierzig Jahre nach Truffaut veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle seine Erzählung «Das wilde Kind». In Aalen wird ein Stück daraus.
Eine...
1810– Kleist war seit Anfang des Jahres in Berlin und schickte «Das Käthchen von Heilbronn» noch einmal an August Wilhelm Iffland, Direktor des Berliner Nationaltheaters. Kleist hegte immer noch die Hoffnung, dass Iffland sein Stück aufführen würde. Daraus wurde nichts. Iffland demonstrierte Desinteresse, und Kleist revanchierte sich, indem er auf Ifflands...
Was soll abgeholzt werden? Ranjewskajas Kirschgarten natürlich. Warum? Weil sie Schulden hat und er nutzlos ist. Warum darf er nicht abgeholzt werden? Weil er alt und schön ist. Was soll abgeschafft werden? Das Schauspiel der Stadt Wuppertal. Warum? Siehe oben. Und warum nicht? Siehe Tschechows «Kirschgarten». Die Gleichung geht fast vollständig auf. Das...
