Post-Feminismus? Vielleicht später mal

Zur theoretischen Vielfalt des Feminismus und zur neuen Politik des Privaten von Hilal Sezgin

Für manche gehört schon Mut dazu, dieses Wort überhaupt auszusprechen: Feminismus. Insbesondere die persona­lisierte Form. Ich sei eine Feministin, stellte mich kürz­lich ein Journalist bei einem Interview vor, und sofort bekam ich tröstende Emails von Bekannten, da sei ich aber schlecht behandelt worden. Feministin? Welch eine Beleidigung! Der Begriff des Feminismus hat in den letzten zehn, zwanzig Jahren einen so negativen Beiklang erhalten, dass man zunächst versucht ist, zu beteuern, welche Schrecklichkeiten mit diesem Feminismus, dem man anhänge, nicht gemeint seien.

Aber warum ­– warum so schüchtern? Es gibt keinen Grund, sich für eine politische Haltung zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, die sich die Abschaffung einiger der schlimmsten sozialen, physischen, ökonomischen und kulturellen Missstände vorgenommen hat. Darum sei diesem Text die Erklärung vorausgeschickt, dass die Verfasserin keine Notwendigkeit sieht, zunächst irgendeinen bestimmten Feminismus zu beschreiben, zu kritisieren und sich davon zu distanzieren, um sich im späteren Textverlauf dann zu einem anderen, «zeitgemäßeren» Feminismus zu bekennen, der die (mutmaßlichen) Mängel des zuerst genannten nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2011
Rubrik: Frauen im Theater, Seite 16
von Hilal Sezgin

Weitere Beiträge
Von Dichtern und anderen Schweinen

Kann man ein Stück, in dem ein kleines Mädchen stirbt, als Komödie bezeichnen? August Strindberg konnte. Auf den ersten Blick erfüllt sein Künstlerdrama «Rausch» (1899) aber auch alle Kriterien einer Komödie: Schauplätze des rund um eine Theaterpremiere angesiedelten Stücks sind verschiedene Pariser Bars und Restaurants, die Handlung ist eine Dreiecksgeschichte...

Hier gedeiht nichts mehr

«Tsunami» war das Schlagwort zur Beschreibung der Finanzkrise. Es sollte glauben machen, dass uns die Katastrophe wie eine Naturgewalt überrollt habe, unkontrollierbar, unabsehbar. Inzwi­schen weiß man, dass es so nicht war – und macht trotzdem fröhlich weiter:  Meister der Verdrängung, hochgradig ignorant und fatalistisch. In dieser Hinsicht sind Karin Henkels...

Kurzschlüsse und Melancholie

Kinderlosigkeit führt heute zu allem Möglichen, zu weiblichen Karriereplänen, demographi­schen Debatten, künstlichen Befruchtungen, Leihmüttern, aber nicht zu Mord. Hauptmanns «Ratten» aktualisieren zu wollen, wäre absurd. Zur Gegenwart aber gehört die selbstreferentielle Struktur dieses Dramas: wie es sich auf sich selbst beziehen muss, wenn es über die...