Gehen? Bleiben?

Anne Habermehl «Narbengelände» (U, Heizhaus)

Bleiben oder gehen? Im Angesicht der Mauer konnte das eine Frage auf Leben und Tod sein.

  In Anne Habermehls «Narbengelände» ist es auch eine Generationsfrage: Marie und Marc treibt im Februar 1989 in den Wäldern rund um Gera die vitale Überspanntheit 17-Jähriger, die in jeder Hinsicht von Entgrenzung träumen; Maries Eltern, ein knurriges altes Paar zwischen Zuneigung und Überdruss, tragen Tag für Tag die kleinen Kämpfe aus zwischen sarkastischer Rückschau auf entwertete Biografien nach der Wende (er) und dem Mut zum kleinen Neuanfang (sie), der auch der nicht nur unerfreuliche Nebenjob als sms-Pornoverfasserin sein kann.

Im Heizhaus des Altenburger Theaters hat Anne Habermehl ihr kleines Puzzle aus chronologisch unsortierten Szenen zwi­schen 1989 und 2004 auf zweigeteilter Bühne mit leichter Hand und großer Herz­lichkeit in Szene gesetzt: Links markieren kahle Baumstämme den Wald, in dem sich die überschwänglich in die Sterne blickende Marie (Alice von Lindenau) und der um sein Leben rennende einarmige Marc (Matthias Ransbeger) immer wieder begegnen und schließlich ein gemeinsames Leben jenseits der Mauer planen. Marie wird zurückbleiben und Marc die Flucht nicht überleben. Rechts ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Mittendrin, ganz nah

Pina. Tanzt, tanzt, sonst sind wir verlo­ren» – etwas altmodisch Expressives haf­tet diesem Titel an. Unumwunden pathetisch weltretterhaft hat Wim Wenders seinen Film über die im Sommer vor zwei Jahren verstorbene berühmte deutsche Tanztheaterchoreographin aus Wuppertal und ihr Werk genannt. Das als einen Nachhall von Pina Bauschs ebenfalls recht enigmatischen...

Nicht zu schaffen!

Ich habe im alltäglichen Gewusel Ihre An­frage vergessen, jetzt fällt sie mir siedendheiß wieder ein und …Nein, zu diesem Thema habe ich nichts Flammendes zu sagen. Es beschäftigt mich nicht besonders; zudem ist das Theater ja ein Spiegel der Gesellschaft und offenbart also auch in dieser Hinsicht wahrscheinlich nichts anderes als allzu allgemeine Probleme.  

Ich...

Der Vater und seine Zeit

Blizzard-Maschinen blasen Stefan Hunstein auf die Bühne der Münchner Kammerspiele. Kaum lässt sich die Türe halten, mühse­lig schleppt er seinen schneeverkrusteten Rucksack auf die hölzernen Planken, die Johan Simons weit in den Zuschauerraum ragen lässt. Ein schein­bar schlafender Pianist am plastikverhüllten Kneipenklavier erwartet ihn. Sonst nichts. Der...