Poesie der kurzen Sätze
«Leichte Sprache» soll in geschriebenen Texten zu besserer Verständlichkeit führen, Inklusion, Teilhabe, Barrierefreiheit fördern. Sie hat unterschiedlichste Kommunikationsbereiche erreicht – von der Behörde über Donald-Duck-Comics bis hin zu Nachrichtenseiten. Auch manche Theater etwa in Programmheften oder auf ihrer Website, wenn dort der Inhalt einer Inszenierung in kurzen, prägnanten Sätzen erklärt wird. So macht es auch das Mannheimer Nationaltheater – und geht aber jetzt noch einen Schritt weiter. Dort gibt es derzeit Goethes «Faust» in Leichter Sprache zu sehen.
Weltliteratur übersetzt in einfache Sätze, die jeder verstehen soll. Der Regisseur Daniel Cremer hat den «Faust» gemeinsam mit Mascha Luttmann und Tina dahingehend bearbeitet, kondensiert, interpretiert. Aber nicht nur der erste Teil des «Faust», auch der zweite passt noch hinein in die zweieinviertel Stunden der kurzweiligen Aufführung (inklusive Pause). Wobei «Faust II», der auch gewieften Germanist:innen die Grenzen ihrer Verständnisfähigkeit aufzeigt, in einer rasanten Viertelstunde zusammengefasst und ein bisschen gespielt wird. Letzteres betrifft vor allem den fünften Akt, in dem sich Faust als waschechter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Verena Großkreutz
Was für ein Plot! Er beginnt mit einem Traum. Ein Traum, der in der Realität erzählt wird: Aline sieht im Schlaf ihren einstigen Peiniger. Sieht ihn neben sich liegen, «als wäre er mein Mitbewohner». Aline lebt heute irgendwo in Europa. Geflüchtet ist sie aus Syrien, wo sie in einem Gefängnis vom syrischen Geheimdienst gefoltert wurde. Ihren Traum erzählt sie einem...
Unsere Hoffnung gründet sich auf das Sportpublikum», bekennt Bertolt Brecht 1926 in seiner Schrift «Über den Untergang des alten Theaters». «Unser Auge schielt, verbergen wir es nicht, nach diesen ungeheuren Zementtöpfen, gefüllt mit 15.000 Menschen aller Klassen und Gesichtsschnitte, dem klügsten und fairsten Publikum der Welt.»
Vielleicht hatten die Kurator:innen...
Das Patriarchat cancelt seit Jahrtausenden die Rechte von Frauen, Minderheiten, vulnerablen Gruppen, der Queercommunity, Tieren und der Natur. Das muss es auch, denn nur so kann das Patriarchat am Leben bleiben. Bell Hooks beschreibt das Patriarchat nicht als einen einzelnen Mann, sondern als «ein politisch-so -ziales System, das darauf besteht, dass Männer von...
