Die Mischung macht’s
Der Titel der allerletzten Premiere klingt wie ein schlechter Witz, lässt ein doofes Wortspiel ahnen. «Sex» lautet dieser, «Sex» wie sechs Jahre Intendanz? Doch höchstvermutlich wurde auch dieses Mal, wie so oft, Sex mit Liebe verwechselt. Denn Liebe will man dem Hannoveraner Publikum zum Schluss noch mal geben.
Inhaltlich aber geht es um Sex, und zwar in drei Teilen: «Kurze Interviews mit fiesen Männern» von David Foster Wallace, in der Regie von Friederike Heller, «Wir kommen» des Kollektivs Liquid Center, inszeniert von Ronny Jakubaschk, und «Sex Play» von Patty Kim Hamilton, auf die Bühne gebracht von Stephan Kimmig. In allen Stücken geht es um feuchte Fantasien und heimliche Begehrlichkeiten, um vermasselte Dates und trickreiche Masturbation.
Der Abend ist eher locker plaudernde Gala als künstlerisch anspruchsvolle Inszenierung, das Setting eine Showbühne mit langen, himbeerroten Vorhängen (Bühne Sabine Kohlstedt), die Texte von belanglos über anekdotisch bis hemmungslos empowernd. Das gesamte Ensemble ist dafür ein letztes Mal auf der Bühne zu sehen, mal in Leggins, mal mit Zylinder, mal in Glitzer oder mit üppigen, krausen Vulva-Krägen (Kostüme Sabine Kohlstedt / Anne ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Bilanzen, Seite 49
von Katrin Ullmann
Was für ein Plot! Er beginnt mit einem Traum. Ein Traum, der in der Realität erzählt wird: Aline sieht im Schlaf ihren einstigen Peiniger. Sieht ihn neben sich liegen, «als wäre er mein Mitbewohner». Aline lebt heute irgendwo in Europa. Geflüchtet ist sie aus Syrien, wo sie in einem Gefängnis vom syrischen Geheimdienst gefoltert wurde. Ihren Traum erzählt sie einem...
«Wahrheit!», knallt es zu Techno-Beats in den Zuschauerraum zwischen all den Interviewfetzen, die hier in einer Art Live-Videoclip auf dem schneckenförmigen Bühnenpodest in die Kamera gehämmert werden. Die großformatigen Köpfe auf dem Gazevorhang ballern erstmal alle wach. Die kurzen prägnanten Sätze sind herausgepickt aus 50 Interviews, die ein Team um Regisseurin...
Bettina Schmidt geht es gut, nur ein wenig müde sei sie, als wir uns an diesem wolkenverhangenen Tag im Clara-Zetkin-Park treffen. Kaum zu glauben, denn Schmidts hellblaue Augen scheinen hinter der großen, runden Brille wacher denn je. Ihre kurzen, blonden Locken lassen sie sanfter wirken als das sonst auch mal glatt ge -striegelte Haar auf der Bühne des Schauspiel...
