Das Grollen der Kleinbürger

Luise Voigt, Eva Bormann u.a. «Wir sind das Volk. Weimarer Lebensgeschichten» (UA) am Deutschen Nationaltheater Weimar

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«Wahrheit!», knallt es zu Techno-Beats in den Zuschauerraum zwischen all den Interviewfetzen, die hier in einer Art Live-Videoclip auf dem schneckenförmigen Bühnenpodest in die Kamera gehämmert werden. Die großformatigen Köpfe auf dem Gazevorhang ballern erstmal alle wach. Die kurzen prägnanten Sätze sind herausgepickt aus 50 Interviews, die ein Team um Regisseurin Luise Voigt, die mit ihrer «Carrar» gerade zum Theatertreffen eingeladen war, und Dramaturgin Eva Bormann mit Menschen aus Weimar und Umgebung geführt hat.

In diesen rund 83 Stunden Material finden sich prominente Stimmen wie die ehemaligen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und Thomas Kemmerich, der sich mit den Stimmen der AfD hatte wählen lassen, aber auch eine 94-jährige Balletttänzerin, ein 17 Jahre alter Geflüchteter aus der Ukraine, Obdachlose, Sozialarbeiter, Unternehmer, Ärzte und viele andere. Ein Querschnitt der Gesellschaft mithin, auch wenn gefühlt die Generation der 30–40jährigen etwas unterrepräsentiert ist. «Wir sind das Volk» heißt diese Materialsammlung, die an Walter Kempowski oder Swetlana Alexijewitsch erinnert und die Frage klären soll, wo wir – also die Leute in Weimar – eigentlich gerade stehen. Der ...

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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Torben Ibs

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