Da steppt der Spargel
Für die Abstiegsangst einer Generation, die gerade erst halbwegs ihren Platz in der Gesellschaft gefunden hat, findet Ewe Benbenek in ihrem zweiten Stück «Juices» (abgedruckt in TH 10/23) ein glamouröses Bild: Die Schauspieler: -innen klammern sich in der ersten Szene verzweifelt an einen Lüster (der hier in polnischem Englisch «Czandelier» genannt wird). Im Wiener Schauspielhaus ist dieser Lüster allerdings nicht mit geschliffenem Glas behängt, sondern mit schnöden blauen Plastikeimern.
Seit dem Vorjahr steht im Schauspielhaus am Ende der Spielzeit eine Koproduktion mit der Wiener Musik und Kunst Privatuniversität (MUK) auf dem Spielplan, auf der Bühne stehen die acht Schauspielstudent:innen des dritten Jahrgangs (Lara Horvath, Marko Kerezovic, Maxim Lohse, Jakob Merkle, Tara Michelsen, Konstantin Mues Bœuf, Una Nowak, Jasmin Weißmann). Dass in der Vorlage nur drei Darsteller:innen (A, B, C) vorgesehen sind, ist insofern kein Problem, als es sich bei «Juices» um den auf mehrere Stimmen aufgeteilten inneren Monolog bzw. Bewusstseinsstrom einer Person handelt – wie viele Stimmen das genau sind, ist nicht entscheidend. Es geht um eine Frau, deren Mutter aus Osteuropa nach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Wolfgang Kralicek
Festivaldirektorin Marina Davydova gefeuert, ihr Programm übernommen: das Schauspiel der Salzburger Festspiele
Gewalttätige Männer mit schlechtem Atem und Bauchfett: Roland Schimmel pfennigs Wormser Nibelungen-Überschrei- bung «See aus Asche» – der Stückabdruck
Auch wenn das Wasser knapp wird: Die «Theater heute»-Redaktion geht im Sommer baden und freut sich aufs W...
Der Titel der allerletzten Premiere klingt wie ein schlechter Witz, lässt ein doofes Wortspiel ahnen. «Sex» lautet dieser, «Sex» wie sechs Jahre Intendanz? Doch höchstvermutlich wurde auch dieses Mal, wie so oft, Sex mit Liebe verwechselt. Denn Liebe will man dem Hannoveraner Publikum zum Schluss noch mal geben. Inhaltlich aber geht es um Sex, und zwar in drei...
Das Fleisch – ob Mensch, ob Tier – ist gleich. Fleisch, das ist die leitende Metapher in Roger Vontobels Düsseldorfer Inszenierung von Brechts «Die Heilige Johanna der Schlachthöfe». Brecht hatte zunächst die Vorgänge an der Weizenbörse in Chicago im Auge, wechselte dann aber zur Büchsenfleischproduktion, der Metaphorik wegen: die kapitalistische Gesellschaft ein...
