Foto: Armin Smailovic
Planetarische Tauchgänge
In ihrer Zwickauer Nachbarschaft hieß Beate Zschäpe, die damals den Tarnnamen Susanne Dienelt trug, «die Diddlmaus». Ein treffender Spitzname, terrorisierte doch die gleichnamige Cartoonfigur in ihrer schrill-dumpfen Niedlichkeit in den 90er Jahren von zahllosen Gebrauchsgegenständen aus das Geschmacksempfinden. Extrem diddlmaushaft agiert auch die schon häufiger als Zschäpe-Double eingesetzte Schauspielerin Tina Keserovic, die in Ersan Mondtags erster Inszenierung an den Münchner Kammerspielen um sechs außerirdische Theater-Investigatoren hüpft.
Nackt bis auf den vorgeschnallten Schwangerschaftsbauch und -busen mischt sie sich in deren Recherche, schüttelt die dunkle Lockenmähne, tastet wie ein schutzbedürftiges Kind nach Elternhänden und verkörpert in aller nervigen Unschuld das Gegenteil dessen, wofür Beate Zschäpe im NSU-Prozess nun schon seit Jahren steht.
Sittenbild der Gesellschaft
Die Diddlmaus ist praktisch die einzige Figur in Ersan Mondtags «Das Erbe», die eine direkte Brücke zum NSU-Prozess schlägt. Auch die Textcollage, die die 27-jährige Olga Bach (Bach und Montag kennen sich von der GRIPS-Jugendtheatertruppe) zum Inszenierungsauftrag entwickelt hat, nutzt ...
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Theater heute August/September 2017
Rubrik: Aufführungen/Neue Stücke, Seite 24
von Eva Behrendt
Es ist so puuuh, so äääh, geradezu uaargh: ein Bruderkuss, feindliche Soldaten reichen sich die Hände, Liebe und Versöhnung zum Finale. Der Schluss von Maria Milisavljevics «Beben» lässt einen sprachlos zurück ob seiner unverschämten Naivität – und gerade damit gelingt der Autorin ein Volltreffer. Milisavljevic hat nicht etwa ein Feelgood-Movie für die Bühne...
Die Personen
Wir. Wer immer und wie viele wir auch sind.
Raging furious, the flames of desire
Ran through heaven and earth, living flames,
Intelligent, organized, armed
With destruction and plagues. In the midst
The Eternal Prophet, bound in a chain,
Compelled to watch Urizen’s shadow.
William Blake, The Book of Los
Ich schlafe nicht mehr. Ich schlafe seit Tagen nicht...
Was war denn nun das? Ein plumpes Plagiat oder eine ironische Hommage? Regisseur Hannes Weiler hat sich von Florian Dietrich im Regensburger Theater eine Bühne bauen lassen, die so aussieht wie ein Entwurf von Aleksander Denic für ärmere Verhältnisse: ein nicht ganz so wuchtiges gezimmertes Dreh-Ungetüm mit offenen und viel verborgenen Räumen, mit Türmchen und...
