Pflegefall Pflege
Wer sich über einen Pflegenotstand wundert, der hat in den vergangenen Jahrzehnten wohl Glück gehabt und musste Krankenhäuser oder Pflegeheime nicht von innen wahrnehmen. Schon im Deutschland der Wirtschaftswunderjahre ging die volkswirtschaftliche Rechnung ziemlich gut auf, größerer Wohlstand sei nur durch immer größere Flexibilität und Arbeitsleistung zu haben. Bereits damals wurden familiäre Bindungen immer lockerer geknüpft.
Inzwischen leben BRD-Generationen nur noch selten in einem Haus, was dazu geführt hat, dass der Generationenvertrag einer gegenseitigen Fürsorge obsolet geworden ist. Inzwischen ist die Pflege selbst ein Pflegefall. Dann kam auch noch die Pandemie und hat nicht nur die miserablen Verhältnisse in ein neues Licht gerückt, sondern auch die Recherche, Proben und Premiere einer Projektentwicklung verzögert, die Einzelschicksale ins Zentrum stellt, sich natürlich aber auch mit dem Großen und Ganzen beschäftigt.
Eine Premiere wegen Corona immer wieder verschieben zu müssen, nervt. Allerdings hatte das Team rund um Luise Voigt dadurch länger Zeit, all die Gespräche zu verarbeiten, die man im Heidelberger Mathilde-Vogt-Haus führen konnte. Das Altenzentrum erlaubte ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Jürgen Berger
Wenn Wallenstein zum erstem Mal erscheint, scheppert es gewaltig. Weniger wegen des imposant schimmernden Brustharnischs überm Kettenhemd als wegen der Blechhandschuhe, mit denen er so ungeschickt wie notgeil die aus Wien heimkehrende Gemahlin befingert, die sich das, nicht weniger unter Druck, gern gefallen lässt. Nichtsdestotrotz wird atemlos Dialog gefeuert,...
Wer sollte in Joshua Sobols «Ghetto» Jacob Gens spielen, den jüdischen Polizeichef und Herrn über Leben Tod im Wilnaer Ghetto 1942/43, den Mörder und Kollaborateur mit den Nazis, der sich die Hände schmutzig machte und viele in den Tod schickte, um einige vielleicht zu retten oder ihnen vielleicht wenigstens noch eine Gnadenfrist zu erhandeln? Peter Zadek fragte...
Will ein Theater heute Stücke zum Thema Krieg auf den Spielplan setzen, bieten sich zwei Dramen ganz besonders an. Einerseits die antike Tragödie «Die Troerinnen», in der Euripides nicht die siegreichen Helden des Trojanischen Kriegs, sondern die Frauen der Besiegten sprechen lässt. Andererseits, aus der jüngeren Vergangenheit, «Reich des Todes», in dem Rainald...
