Opfergruppe Weiß
So muss sich das Warten auf’s Schafott anfühlen. Drei Mitarbeiter*innen eines international agierenden Magazins sitzen beisammen und warten auf ihr Urteil. Was geschehen ist? Zur Feier des Black-Achievement-Monats hat Lesley für das Cover der Zeitschrift das Bild einer schwarzen Frau gezeichnet, in «ihrem eigenen Stil».
Sie selbst nennt es eine Ode an dieselbe, die Öffentlichkeit sieht in ihrer Zeichnung jedoch ein rassistisches Stereotyp, erinnernd an den Blick auf Sarah «Saartje» Baartman, die 1810 nach Europa gebracht und dort ob ihrer angenommenen Fremdartigkeit ausgestellt wurde. Lesley, eine weiße Frau, die eine schwarze Frau malt, ihre Rundungen jenseits einer jeden Realität überzeichnet, ihre Lippen geradezu grotesk voll und rot.
Die anderen zwei haben das Cover mitverantwortet und freigegeben, und nun warten alle drei auf ihren Schuldspruch aus der amerikanischen Mutterredaktion, während sich draußen unter dem Hashtag «zurschieflagedernation» ein immer größer werdender Protest zusammenbraut. Ist dieser Vorfall nur ein Versehen oder Ausdruck einer tiefer liegenden Struktur? Was als beißendes Sittenporträt der digitalen Empörungsgesellschaft beginnt, wird schnell zum ...
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