Opfergruppe Weiß
So muss sich das Warten auf’s Schafott anfühlen. Drei Mitarbeiter*innen eines international agierenden Magazins sitzen beisammen und warten auf ihr Urteil. Was geschehen ist? Zur Feier des Black-Achievement-Monats hat Lesley für das Cover der Zeitschrift das Bild einer schwarzen Frau gezeichnet, in «ihrem eigenen Stil».
Sie selbst nennt es eine Ode an dieselbe, die Öffentlichkeit sieht in ihrer Zeichnung jedoch ein rassistisches Stereotyp, erinnernd an den Blick auf Sarah «Saartje» Baartman, die 1810 nach Europa gebracht und dort ob ihrer angenommenen Fremdartigkeit ausgestellt wurde. Lesley, eine weiße Frau, die eine schwarze Frau malt, ihre Rundungen jenseits einer jeden Realität überzeichnet, ihre Lippen geradezu grotesk voll und rot.
Die anderen zwei haben das Cover mitverantwortet und freigegeben, und nun warten alle drei auf ihren Schuldspruch aus der amerikanischen Mutterredaktion, während sich draußen unter dem Hashtag «zurschieflagedernation» ein immer größer werdender Protest zusammenbraut. Ist dieser Vorfall nur ein Versehen oder Ausdruck einer tiefer liegenden Struktur? Was als beißendes Sittenporträt der digitalen Empörungsgesellschaft beginnt, wird schnell zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Rückblickend wirkt es fast idyllisch, was der Soziologe Heinz Bude im Jahr 2010 zusammen mit dem damals noch von Armin Petras geleiteten Gorki Theater auf halber Strecke zwischen Hamburg und Berlin in Wittenberge herausgefunden haben. Drei Jahre lang hatte ein Team aus Wissenschaftlern und Theaterleuten das brandenburgische Mittelstädtchen beforscht auf der Suche...
Theater heute Wir wollen heute über Kunst und Künstler*innen reden. Wie hat sich der Begriff, der Anspruch, die Praxis in den letzten Jahren verändert – auch und gerade durch die sozialen Medien? Der gute alte romantische Kunstbegriff mit seiner Genie-Ästhetik steht ja schon lange unter Druck. Entstanden zu noch feudalen Zeiten, gefeiert in der industriellen...
Theater heute Ein zehnstündiges Antiken-Großprojekt wie «Dionysos Stadt» ist für ein Stadttheater nicht gerade üblich. Peter Stein hat es 1980 mit der «Orestie» an der Berliner Schaubühne einmal unternommen, aber die Schaubühne war damals auch kein übliches Stadttheater. Wie ist diese im besten Sinn wahnwitzige Idee überhaupt entstanden?
Christopher Rüping Die...
