Der Himmel leer
Mit den Worten «hallo? / hört uns jemand?» eröffnet der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer sein neues Theaterstück, eine hochmusikalische, rhythmisch stark geformte Sprachpartitur. Die Frage, die sich als ein Angebot an das Publikum verstehen lässt, in einen Dialog zu treten, ist eine rhetorische, denn die Verlorenen werden kein Gehör finden.
Bereits im Prolog, in dem die Polyphonie «einzelner», «einiger», «einiger anderer», «einiger und einiger anderer» sich zu einem gemeinsamen Gebet «aller» formt – einem Vaterunser ex negativo –, wird allgemein postuliert, was den individuellen Leidensweg der Figuren bestimmen wird: «unumstößlich / ohne Rat und ohne Hilfe eingeschlossen / alles schon beschlossen / drüben: keine andre Welt / kein Drüben, Draußen, Droben / Jenseits nicht / gespielt sind alle Karten schon / es folgt auf dies / dies alles / diese / keine nächste / nächste Runde / die Partie ist einzig / wiederholt sich nicht / für alle / gibt es nicht genug / was kümmert es das Spiel / wer es verliert.»
Die Parameter sind festgelegt, die Regeln definiert, die Spieler*innen räumen nach dem Prolog das Feld und verwandeln sich mit der ersten Szene in Figuren. Im Zentrum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Beim Atelier-Rundgang der Berliner Universität der Künste 2014 stand da ein ominöser schwarzer Kubus mit zwei grünen Knöpfen. Das Betätigen des einen Knopfes generierte eine neue, scheinbar willkürliche Zahl auf dem Display. Beim Betätigen des anderen Knopfes wurde ebendiese Zahl auf einen weißen Sticker gedruckt.
Die Leute drückten so lange auf den Knöpfen...
Einer der prominentesten Vertreter der KI-Forschung ist davon überzeugt, dass der technische Fortschritt künstliche Superintelligenzen hervorbringen werde, die dann die gesamte Milchstraße bevölkern und uns Menschen weit überlegen sein würden. Für unsere Spezies würden sie sich weniger interessieren als füreinander, Menschen hätten sich als bis dato intelligenteste...
Auf der Bühne wirkt sie oft, als spreche sie widerwillig gegen die Sätze an, die sich in ihrem Mund formen, und auch im Gespräch über ihre Arbeit kann Sandra Hüller schnell einen bemerkenswert bockigen Ton anschlagen. «Eine direkte Erzählform hat uns an der Stelle nicht interessiert und wird dem Stück nicht gerecht – Kleist lässt sich nicht vereinfachen», antwortet...
