Oberhausen: Der geöffnete Schlachthof
«Unmoralische Menschen werden blass unter der Peitsche der Satire», heißt eine Sentenz in einem antiken Text des römischen Dichters Persius. Auf einer Illustration des berühmten belgischen Symbolisten Fernand Khnopff räkelt sich dazu eine dunkelhaarige Nackte und entzieht sich dem lüsternen Zugriff zweier in das Bild ragender Hände. Auch der Regisseur Stef Lernous ist flämischer Belgier und Leiter des Theaters Abattoir Fermé in Mechelen.
Die Hauptfigur seiner «Mörderballade», die er in Koproduktion mit dem und am Theater Oberhausen herausgebracht hat, erinnert sehr an Khnopffs verführerische Schöne und ist zudem Hommage an die Düsternisse des deutschen expressionistischen Stummfilms, auf dessen dämonischer Leinwand etwa G.W. Pabsts «Lulu» mit dem Pagenkopf der Louise Brooks zum Unheil herausforderte. Doch auch den Schatten der verletzlich entblößten Susanne Lothar aus Zadeks Wedekind-Inszenierung lässt Lernous’ aus seiner Büchse der Pandora heraus.
Die Angstlust-Fantasie der Femme fatale gleicht bei ihm, in Gestalt der jungen Laura Angelina Palacios, eher einer Femme fragile. Kein Vamp, vielmehr ein Naturkind. «Das schöne wilde Tier», wie der Dompteur Frank Wedekind zirzensisch ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Andreas Wilink
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